Seit einigen Tagen ist das sechste Studioalbum der britischen Ausnahmeband Placebo endlich zu haben – und kein Zweifel, die Battle for the Sun ist ein würdiger Nachfolger der Meds. Typischer Placebo-Sound, großartige Texte und ein Brian Molko, der zuversichtlich in die Zukunft blickt und die Schlacht um die Sonne kürzlich in einem Interview als Metapher für den Kampf gegen seine Depressionen beschrieb.
Im November und Dezember haben die deutschen Fans die Gelegenheit, Placebo – übrigens mit neuem Drummer – in diversen Städten live zu erleben: Auftritte wird es in Stuttgart, Hamburg, Leipzig, Berlin, Mannheim, München in Köln geben.
Und wer schon einmal einem Placebo-Konzert beiwohnen durfte oder auch die Live-DVD Soulmates Never Die kennt, die 2003 in Paris aufgenommen wurde, der weiß: die Möglichkeit, Placebo hautnah zu erleben, sollte in die Liste der “1000 things to do before you die” aufgenommen werden!

Placebos kreative Spannung entstand aus der Kollaboration der beiden Schulfreunde Brian Molko (Gesang, Gitarre) und Stefan Olsdal (Bass, Gitarre). Sie lernten sich in den 80er Jahren kennen, als sie gemeinsam die internationale Schule in Luxemburg besuchten. Zunächst verloren sie sich jedoch aus den Augen, bevor sie sich 1994 zufällig an der Londoner U-Bahn-Station South Kensington begegneten. Schnell fand man wieder zueinander und entwickelte eine gemeinsame Begeisterung für ambivalente Songs, die einerseits melancholisch wirkten, andererseits rauh und treibend.
Mit Olsdals Freund Robert Schultzberg am Schlagzeug entstand innerhalb kürzester Zeit das Debütalbum Placebo, das 1996, flankiert von der Erfolgssingle Nancy Boy, im Handumdrehen Goldstatus erreichte. Placebo erregten Aufsehen, weil sie nicht in den üblichen Rahmen der englischen Rockszene passten. Als markantes Merkmal erwies sich der androgyne Habitus Molkos, der sich in Darstellung, Gesang und in Texten spiegelt. Zum anderen Markenzeichen wurde der ungewöhnliche harte, düstere Rocksound, der sich brillant mit einprägsamen Melodien und hintergründigen Texten verbindet.
Am zweiten Album Without You I’m Nothing wirkte Drummer Steve Hewitt mit. Das war der Ausgang einer rund 10jährigen intensiven, künstlerischen Reise, die sich über vier Studioalben, eine Vielzahl von Hits und mehrere Welttourneen erstreckte. Singles wie Every You, Every Me, The Bitter End oder Pure Morning zählen mittlerweile zu den Klassikern des britischen Rock-Genres. Die Single-Compilation Once More With Feeling belegt dies in bestechender Weise.
Nach der langen Auftrittsserie im Anschluss an das letzte Studioalbum Meds trennten sich Placebo auch von ihrem zweiten Schlagzeuger. Nachfolger wurde Steve Forrest, ein junger Musiker, der zuvor bei den kalifornischen Punkband Evaline getrommelt hatte. Mit ihm nahmen Molko und Olsdal in London und Toronto ihr sechstes Studioalbum Battle For The Sun auf, das im Juni 2009 erschien.
„Das ist eine Rückkehr zu frühen Idealen“, erklärt Molko. „Es gab von uns Ausflüge in den Pop, die Elektronik und komplexe Rockmusik. Jetzt wollen wir zurück zu unserer Basis: Großartige Songs mit maximalen Spannungsbögen.“ Und das scheint geglückt! Denn Battle For The Sun zeigt eine souveräne, mit allen Wassern gewaschene Band, die ihre Grenzen auslotet, sich aber zugleich auf ihre besonderen Fähigkeiten besinnt: Mit gewaltiger Leidenschaft melancholische Songs von maximaler Strahlkraft und melodiöser Hingabe zu performen. Die Schlacht um die Sonne ist eröffnet mit Placebo als Protagonisten.
Tourdaten
- 9. November 2009 - Stuttgart, Schleyer-Halle
- 10. November 2009 – Hamburg, Color Line-Arena
- 21. November 2009 - Leipzig, Arena
- 22. November 2009 – Berlin, Arena Treptow
- 24. November 2009 – Mannheim, SAP-Arena
- 26. November 2009 – München, Olympiahalle
- 4. Dezember 2009 – Köln, Lanxess-Arena





Ich kann das Konzert in HH als total genial beschreiben. Brian – schmatz – absolut stimmgewaltig und der Sound ausgereift und kraftvoll. Extreme Gitarrenwechsel und der personifizierte “Artist of Voice” werden mir unvergesslich bleiben. Schlurz!