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[Rezension] Oniric – Cabaret Syndrome

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Welcome to the Twenties. Es ist schön zu sehen, dass ein Jahrzehnt (wieder)entdeckt wird, das inspirierend war wie kaum ein Zweites – Bekannteste Namen sind The Dresden Dolls beziehungsweise Amanda Palmer. Große Namen wie Brecht, Weill oder Karl Valenthin – oder Kabarett und Theater allgemein – gehören wieder zum guten Ton, und auch vor dem Neofolk-Genre macht dieser Trend nicht halt: Spiritual Front haben mit Roma Rotten Casino bereits einen Albentitel angekündigt, der genau in diese Kerbe schlagen wird. Und Oniric, die leider immer etwas im Schatten ihrer italienischen Kollegen stehen, machen es noch deutlicher: Cabaret Syndrome entführt den geneigten Fan in nostalgische Gefühlswelten.

Dass ich Spiritual Front erwähnte, hat schon seinen Grund, erinnert der erste Song (nach einem Intro) Blessing mit einem Tangorhythmus fatal an den Opener des letzten großartigen Spiritual Front-Albums, Bastard Angel. Dabei sind Oniric, auch wenn ich es zunächst befürchtete, keine Epigonen der Genies um Simone Salvatori. Die Einflüsse sind weiter gestreut, und wo bei Spiritual Front eher der italienische Machismo dominiert, sind Oniric eher weich, sehnsüchtig, fragil und vor allem out of this world, um es mit den Worten von The Cure zu beschreiben. Gerade die schönen Frauenstimmen, die sich immer wieder durch die Songs schlängeln (ebenfalls im Opener Blessing schön zu hören) heben das Album etwas ab vom profanen Erdgeschehen.

Und zum Verzaubern man braucht dafür gar keine dicken Effekte. Es genügt die Neofolk-Grundausstattung: Gitarre, Stimme und Synthie. Gerade letzterer geht häufig in den Vordergrund und zaubert Rhythmen, Effekte und Melodien unter anderem mit einem Akkordeon, Glockenspiele, dem unvermeidlichen Piano oniric_promo1_300 oder Streichern. Aus diesen Materialien setzt sich das Material zusammen und überzeugt den geneigten Neofolk- oder generell jeden Fan guter, mehr oder minder akustischer melancholischer Musik.

Und trotz – oder gerade wegen – der Spiritual Front-, Rome-, Ordo Rosarius Equilibrio- und wie sie alle heißen- Parallellen macht Onirics Cabaret Syndrome großen, großen Spaß. Mit romantischer, gut gemachter Musik kann man bei mir ohnehin immer punkten, und so werden Blessing, Un Gris Boid, … Ach, aufzählen könnte ich viel. Aber ich beende das ganze mal und sage: Wer Neofolk und Singer/Songwriter mag, der darf hier beruhigt zugreifen. Nur dass das Album nur eine halbe Stunde lang läuft, das ist ein Wermutstropfen. Ausfälle gibt es jedenfalls keine.

Tracklist

  1. Once Upon A Time In The Cabaret
  2. Blessing
  3. Un Gris Boid
  4. The Echoes Of The Storm
  5. Leather Fire
  6. Space Farewell
  7. Ophelia’s Portrait
  8. L’autre
  9. Last Temptation Resue

Anspieltipps

Viele. Ich würde aber Blessing, Leather Fire und Un Gris Boid herausheben.

Oniric Online

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