[Rezension] Spiritual Front – Armageddon Gigolo

verfasst am 11. Oktober 2009
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| Rubrik: Rezensionen

Spiritual Front - Armageddon Gigolo

Gibt man bei gängigen Online-Wörterbüchern die Wörter “Armageddon” und “Gigolo” ein, kommt man auf “Weltuntergangs-Männliche Prostituierte”. Dieses irgendwie ungelenk klingende Wort passt eigentlich wie Arsch auf Eimer oder, gut, Selbstzensur, zu Spiritual Front: Tatsächlich geht es auf Armageddon Gigolo hauptsächlich um, nun ja, Untergang und Sex. Und um Männer. Selbstbewusste Männer, die Testosteron aus den Boxen schwitzen, dass Ricky Martin vor Neid wieder mit Spielzeugautos spielend auf dem Teppich sitzt und sich Simone “Hellvis” Salvatori ins Fäustchen lachen kann: Echte Männer tragen Anzüge und spielen düstere Popmusik. Der Erfolg bzw. der allgemeine Jubel um die Italiener gibt der Band jedenfalls Recht.

Nicht, dass die Jungs in den kommerziellen Ebenen eines Ricky Martin rangieren: Dafür ist ihre Musik viel zu eigenständig, viel zu düster, und man möchte fast sagen, zu sexy für an Pseudospanier gewöhnte Ohren: Insgesamt ein sehr nihilistischer Cocktail mit einer ziemlich geilen Botschaft: Die Welt ist Scheiße, lass uns ficken. Die Soundtracks dazu zaubern Spiritual Front bravourös: Mit akustischen und wenigen elektrischen Gitarren, Klavier, Streichern und ein wenig Schlagzeug und einer Testosteron- und Rotweingeschwängerten Stimme sollte die Damenwelt dahin zu kriegen sein, wo man(n) sie haben will: Im Bett. Und zwar nackt.

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Hierbei ist der Armageddon Gigolo der richtige Anknüpfpunkt für jeden Aufreißer, der etwas auf sich hält bzw. nicht gerade mit plattesten Phrasen, wie man sie noch mit Grausen von Umbra et Imago im Ohr hat, die Damenwelt zu verzaubern sucht. Zwar immer irgendwie schwanzgesteuert, aber sehr sexy Songs wie “Bastard Angel”, das mit eingängigem Refrain und tollen Tangorhythmen punkten kann oder “Jesus Died In Las Vegas”, das eine angenehm drückende Wärme und Melancholie verbreitet – Das verzaubert. Sogar ohne Dame an der Hand.

Würde ich das Ganze einem Genre zuordnen müssen, dann wäre hier der strapazierbare Begriff Neofolk meine erste Wahl. Bands wie Rome, Ordo Rosarius Equilibrio oder auch die bösen bösen Death in June haben im Klangkosmos von Spiritual Front ebenso einen großen Einfluss wie Leonard Cohen und Johnny Cash, nicht zu vergessen einige zutiefst folkige, südländische Arrangements, die sich perfekt dazu eignen, in der Toskana bei schlechtem Rotwein über das Ende der Welt zu philosophieren – Und natürlich über Frauen. Zwingend balladesk, nachdenklich und vor allem melancholisch angelegt und einfach wunderbar: Da wären wir wieder da, wo wir angefangen haben. Die Welt ist scheiße, lass uns ficken. Geil.

Tracklist

  1. Bastard Angel
  2. Cruisin
  3. I Walk the (Dead)Line
  4. Jesus Died in Las Vegas
  5. Love Through Vaseline
  6. My Kingdom for a Horse
  7. No Kisses on the Mouth
  8. Ragged Bed
  9. Redemption or Myself
  10. The Shinning Circle
  11. Slave

Anspieltipp

Eigentlich alle, aber Bastard Angel, I Walk the (Dead)Line, Jesus died in Las Vegas und Slave noch ein bisschen mehr.

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