[Rezension] Rammstein – Liebe ist für Alle da

verfasst am 17. Oktober 2009
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| Rubrik: Rezensionen

Liebe Ist Fur Alle DaIch habe das Schlimmste beziehungsweise gar nichts erwartet, als ich Liebe ist für alle da das erste mal anspielte. Schließlich haben Rammstein seit dem großartigen Debüt Herzeleid kontinuierlich abgebaut: Dramatischer Tiefpunkt war das B-Balladen-Sammelsurium Rosenrot, das da hingehörte, wo es herkam: In den Papierkorb. Und auch die Vorabsingle Pussy machte es mir nicht einfacher, mich auf das Album zu freuen. Denn Pussy war genau das, was ich nicht hören wollte: Ein härtetechnisch aufgemotzter Popsong mit simpelsten Phrasen auf Englisch.

Ehe ich mich als relativ objektiv an die neue Rammstein herantraute, musste eine gewisse Zeit vergehen. Und dann, mit zitternden Fingern, öffnete ich iTunes. Und noch zitternder klickte ich dann das erste Lied des Albums an: Das Rammlied. Und der kleine glühende Rammstein-Fan in mir, der ich mal war, freute sich. Da sind sie wieder, die auf Reise Reise und Rosenrot so vermissten harten Riffs! Mit selbstironisch-selbstherrlichem Text und einer mörderischen Axt stampft das Lied voran. Fast wie zu seligen Sehnsucht-Zeiten. Unterschied zu damals: Till Lindemann lernte Singen. Und tut das endlich auch nicht über lahmen Popsongs wie Mann Gegen Mann! Das gefällt mir.

Die sind übrigens (bis auf das nervige Pussy) komplett den harten Songs gewichen. Waidmannsheil ist hier zu nennen, B********* und Liebe ist für alle da gefallen mir am besten, Haifisch ist nicht ganz so hart, geht aber toll nach vorne und hat den wohl intelligentesten Text der Rammsteingeschichte. Frühling in Paris ist die obligatorische Seemann-Ballade, diesmal wieder wirklich gut geworden. Der Rest ist irgendwie belanglos, besser als Rosenrot und Reise Reise ist es aber allemal. Mehr ist ein eher nerviger Kommentar zur Wirtschaftskrise und Roter Sand schlicht öde.

rammsteinUnd auch textlich haut es endlich wieder rein: Wiener Blut sollte da die größten Kontroversen auslösen, da es den berühmten Inzestfall von Amsdetten aus der Perspektive des Täters aufarbeitet. Ich tu dir Weh hat einige schön kranke Foltermethoden parat (“Stacheldraht im Harnkanal”), Liebe ist für alle da beschreibt eine Vergewaltigung, ebenfalls aus der Täterperspektive.

Das Album hat also wieder Licht und Schatten. Aber zum Glück hat die Lichtseite wieder zugelegt: Weg vom Gitarrenschlager, weg vom Lindemann-Märchenonkel, aber wieder mehr Bäm, mehr Wumms, mehr Provokanz, mehr Härte, also alles, was die ersten 3 Alben ausmachte, ist wieder da. Dabei wird das Erbe der eher schwächeren letzten Alben nicht komplett missachtet: Till singt auch und macht das Material etwas facettenreicher als zu alten Zeiten, aber auch etwas zahmer. Das Album bewegt sich in etwa auf Mutter-Niveau; Herzeleid und Sehnsucht sind noch etwas weiter entfernt, aber ich kann mal wieder mit Fug und Recht konstatieren, dass ich auf das nächste Album gespannt bin. Solange dreht Liebe ist für alle da noch die eine oder andere Runde.

Tracklist

  1. Rammstein
  2. Ich tu dir Weh
  3. Waidmanns Heil
  4. Haifisch
  5. B********
  6. Frühling in Paris
  7. Wiener Blut
  8. Pussy
  9. Liebe ist für Alle da
  10. Mehr
  11. Roter Sand

Anspieltipp

Rammlied, Liebe ist für alle da und Haifisch pick ich raus.

Rammstein Online

www.rammstein.de

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