[Rezension] Ext!ze – Fall0ut Nation
Es gibt Tage im Leben eines routinierten Musikkritikers, an denen zweifelt er an seinem Verstand. An der Realität. Vielleicht sogar auch ein kleines bisschen an Robert Smith. Das sind so Tage, an denen sich total unwirkliches ereignet. Das man auf Anhieb gar nicht begreifen kann. Neinnein, der Alex hat nix genommen. Er hörte sich nur Ext!zes Album Fall0ut Nation an. Und schon steht alles Kopf, mein Weltbild bis hin zu… Ist doch egal. Alles eben! Und eine CD, die ein Weltbild verändert, wie es bei mir Joy Divisions Closer, The Cures Pornography oder The Sisters of Mercys First and Last and Always taten, hat meistens etwas positives. Die jetzige Änderung in meinem Weltbild: CDs, die ein Weltbild verändern, müssen nicht positiv sein.
Denn Ext!ze verzichten, ganz Generation Doof, auf alles, was oben genannte Platten ausmachte. Da sind zum Beispiel musikalisches Können. Und intelligente Texte. Und Melancholie. Tiefe. Begriffe, die man mit dem Begriff “Gothic” mal verband, irgendwann, so in etwa bis
vor… Bis vor Ext!ze eben. Oder meinetwegen auch vor Agonoize, oder welche Band auch immer die (Hirn-)Leere der Generation Doof angemessen vertonte.
Darum weiß ich auch gar nicht, was ich besonderes schreiben soll, wenn mir tatsächlich Reime unterkommen wie “1, 2, 3, 4, 5 und 6, du bist so ne geile Hex’,8 und 7, 6, 5, 4, ich werd’ hier zum Pornotier, 1, 2, 3, 4, 5 und 6, ich will endlich mit dir Sex! Gothic Pussy, Techno Pussy, Disco Pussy, let’s go party!” höre (nachzuhören im kreativ betitelten Gothic Pussy). Und ihr fragt euch, warum ich hirnlose Partycybers (also fast alle Cybers) verachte und mich lieber meinen ewig gleichen Platten aus den seligen 80ern hingebe?
Gut, vielleicht gebe ich die Antwort auch zu einem großen Teil selber. Eine Musik, die jeder Beschreibung spottet, Texte, die den Kopf im Takt der Bassdrums gegen die Tischplatte donnern lassen, widernatürlich hässliche Bandfotos, insgesamt einfach mehr Image als Inhalt – Glückwunsch, das sind die neuen Tokio Hotel der schwarzen Szene. Down Below haben diesen Rang sich damals hart erkämpft. Dass es tatsächlich eine Band schafft, den HIM-Epigonen aus Sachsen-Anhalt diesen Rang streitig zu machen, hielt ich nicht für nötig. Aber hört euch das selbst an. Oder, nein, lieber nicht.
Tracklist
- Poser
- Aerial Zombies
- Hypnozzz
- Hellektrostar
- Orchestral Infection
- Electronic Revolt
- Red Water (Fall0ut Edit)
- Underground Cendrillon
- Sex Propaganda
- Bad Little Girl
- Gothic Pussy
- We Are The Night
- Poser (FabrikC Remix)
- Electronic Revolt (The Ladder Remix)
- We Are The Night (feat. Nexus)

13. Dezember 2009 um 23:35
Hab mir gerade den offiziellen Trailer zum Album auf youtube angeguck und dachte ich bin in nem Techno-Clip gelandet…unterirdisch!
18. Dezember 2009 um 18:30
Endlich mal jemand der auch schlechte Platten angemessen rezensiert! “Mag ich nicht, schreib ich nicht drüber” hilft nicht, andere vor musikalische Verdummung zu bewahren :)