[Rezension] Depeche Mode: “Sounds of the Universe”
Gestern, am 17. April 2009, war es denn endlich soweit: das lang erwartete neue Album von Depeche Mode wurde veröffentlicht! Dass die “Sounds of the Universe” im Hause BlackLive seitdem ausgiebig gehört wurde, versteht sich von selbst. :o)

Während die Vorab-Auskopplung Wrong von den Fans zwar bejubelt wurde, waren die Meinungen hinsichtlich dieses nunmehr zwölften Studioalbums ja eher gespalten. Allein schon der Titel gab kritischen Geistern Anlass, den drei Briten Größenwahnsinn zu unterstellen – na, dass Depeche Mode die wohl erfolgreichste und bekannteste SynthiePop-Formation sind und einen Wahnsinnserfolg haben, das lässt sich einfach nicht leugnen. Da scheint es auch nicht im mindesten ver-, sondern vielmehr angemessen, dass die “Sounds of the Universe” während der kommenden Monate nur in großen Stadien und Arenen betourt wird.
Das Cover zeigt einen schwarzen Kreis hinter vielen bunten Strichen, die irgendwie an das Spiel Mikado erinnern (ihr wisst schon, die kreuz und quer übereinander liegenden Stäbchen…) – naja, die Gestaltung reißt mich nicht gerade vom Hocker und wirkt irgendwie lieblos. Da hat Anton Corbijn definitiv schon bessere Artworks abgeliefert…
Doch schließlich kommt es hier ja nicht auf die Verpackung, sondern vielmehr auf den Inhalt an.
Dreizehn Tracks erwarten den Hörer auf der regulären CD – darüber hinaus sind übrigens noch ein Duo aus CD und Bonus-DVD, Selbiges in Vinyl sowie eine umfangreiche Deluxe-Box erhältlich.
Ganz ehrlich muss ich sagen, dass ich von der “Sounds of the Universe” ein wenig enttäuscht bin. Nachdem ich Wrong auf einigen DM-Partys begeistert als eindeutig tanzbar befunden hatte und die großartigen Songs der vor vier Jahren erschienen “Playing the Angel” Revue passieren ließ, war ich entsprechend gespannt auf das neue Album. Aber irgendwie ist und bleibt Wrong für mich das beste Stück des Albums, wohingegen der Rest zwar durchaus solide ist, aber leider auch nicht mehr. Vielleicht muss ich der Scheibe einfach mehr Zeit geben? Hmmm.
Das verträumt-betörende Peace, dessen Refrain sich als ein angenehmer Ohrwurm ins Gedächtnis schmiegt, spiegelt gut die bandinternen Verhältnisse wider: nach Jahren der Drogenexzesse und Spannungen ist nun wohl Harmonie eingekehrt bei Dave Gahan, Martin L. Gore und Andy Fletcher. “Peace will come to me / I’m leaving anger in the past / with all the shadows / that it cast”.
Keine Frage: Depeche Mode ist es definitiv gelungen, ein Album zu produzieren, das sich stimmig in die annähernd 30 Jahre Bandgeschichte einfügt, das dem typischen Depeche Mode-Sound treu bleibt und trotzdem nicht abgedroschen klingt. Und nach so vielen großen Hits wie Personal Jesus, Enjoy the Silence, Question Of Lust oder Black Celebration hat es ein neues Album natürlich schwer, sich durchzusetzen und vergleichbare Juwelen zu liefern.
Tracklist
- In Chains
- Hole to feed
- Wrong
- Fragile Tension
- Little Soul
- In Sympathy
- Peace
- Come Back
- Spacewalker
- Perfect
- Miles away/The Truth is
- Jezebel
- Corrupt
Anspieltipp: Wrong, Peace
haben wollen?
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17. Juli 2009 um 10:42
Danke für Deine Rezension!
Einen Tag nach Veröffentlichung des Albums darfst Du sicher noch etwas unschlüssig sein ;)
Es würde mich interessieren, wie Du es heute (drei Monate später) bewertest.
Ich war von Anfang an begeistert, da es tatsächlich die Sounds von damals mit dem Stil der letzten Alben verbindet, ergänzt durch eine Experimentierfreudigkeit, die dem ganzen eine weitere Wandlung im musikalischen Wirken von DM beschert.
Ich halte v.a. Wrong für eine der besten Singles, die DM jemals veröffentlicht haben.
Das Album braucht sich absolut nicht hinter den Klassikern von DM zu verstecken und stellt nach dem teilweise etwas herzlos wirkenden pta einen weiteren Meilenstein in ihrer Diskographie dar.
Zum Cover:
Tatsächlich war ich anfangs auch etwas irritiert von der schlichten Aufmachung. Aber inzwischen finde ich, dass es die Botschaft des Albums sehr zutreffend und phantasievoll ergänzt.
Denn es geht doch wohl um die das ganze menschliche Dasein bestimmenden Zusammenhänge individueller Schicksale, die sich gegenseitig bedingen und als Ganzes die “Symphonie” des Lebens ausmachen, eben die “Sounds of the universe”. Dies durch Mikadostäbchen darzustellen, von denen man bekanntlich nur schwer eines entfernen kann, ohne andere dadurch zu bewegen, finde ich ziemlich clever.
Und die knalligen Farben der Stäbchen vor mausgrauem Hintergrund könnten durchaus mit der Emotionalität subjektiven (Er-)Lebens vor dem Hintergrund der Sinnlosigkeit des Daseins überhaupt in Verbindung gebracht werden…
Übrigens ist einer der historischen Vorläufer des Mikadospiels ein aus China stammendes buddhistisches Stäbchenorakel, passt doch irgendwie,oder?
So, nun konnte ich mal so richtig schön klugscheissen und wünsche allen noch viel Vergnügen beim Ausloten des Sotu- Albums, dass wirklich ein weiterer Geniestreich von Martin & co ist!