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Philipp Blömeke: deine haut nah.

Philipp Blömeke - deine haut nah.

Ein Ausrufezeichen, ein Fragezeichen und ein Punkt – das ist das “Logo” des jungen Schriftstellers Philipp Blömeke, der gegen die Bedeutungslosigkeit anschreibt, gegen die Leere und die Entfremdung.
Mit “deine haut nah.” ist Ende 2009 bereits sein zweiter Band im Culex-Verlag erschienen, wo Philipp übrigens mittlerweile als Künstlerischer Leiter der Culex-Litmedia tätig ist.

In einundfünfzig Texten setzt sich der 19jährige Autor hier mit dem Ich, dem Du und dem, was dazwischen liegt, auseinander. Der Versuch, aus der eigenen Einsamkeit zu entkommen, einen Sinn zu finden im Gegenüber. Und dazwischen? Der Spiegel, die Haut.

Dabei stehen sämtliche Texte radikal in Kleinbuchstaben geschrieben – ein von modernen Autoren gerne gebrauchter Stil, der zwischen dem Verzicht auf Redundanz und Klischeehaftigkeit pendelt. Bei Philipp merkt man deutlich, dass er aber nicht nur an der Oberfläche des Festgefahrenen kratzt, sondern er bricht mit seiner Sprache immer wieder aus; ein Akt der Ab- und Auflehnung gegen Normen und starre Strukturen.

Entscheidungen sind es, die die Leere in Freiheit verwandeln. Und ebenso versucht Philipp Blömeke immer wieder, die Sprache zu befreien, entscheidet sich für ein Wort und gegen ein anderes, und bedient sich dabei einer großen Bandbreite an sprachlicher Variation. Mal mit epischer Wortwahl, mal in knappen, naiv wirkenden Sätzen, dann auf einmal fast schon umgangssprachlich, … mit dem weitestgehenden Verzicht auf Satzzeichen in einigen Texten wird die sprachliche Form ebenso seziert wie durch das lyrische Spiel mit Absätzen und Einrückungen an anderer Stelle und nicht zuletzt diverse Wortspiele.
Als “geflüsterte Gedanken” bezeichnet er seine Werke dabei, und sieht sie als etwas Ähnliches wie die “Illuminations”, in denen Arthur Rimbaud Ende des 19. Jahrhunderts sein Empfinden einer verwirrenden, verwirrten und merkwürdigen Epoche ausdrückte.

Auf den ersten Blick scheint es keinen Zusammenhang zu geben zwischen den in ihrer Länge stark unterschiedlichen Texten, doch es werden bestimmte Motive immer wieder aufgegriffen. Das Marschland. Die erdrückende Trostlosigkeit von niedersächsischen plattenbeschützten Häusern, die braun sind im Innern mit ihren Fotografien von traurig schauenden Großmüttern mit albernem Sonnenhut und federbemusterten Sommerkleidern an den Wänden. Anspielungen auf Mythologie und Religion.

Ganz im Stil des Buchcovers finden sich zwischen den Texten immer wieder Fotografien, vor allem Himmelsaufnahmen, die die surreale Stimmung noch einmal visuell unterstreichen.

Trotz all dieser verstörenden Texte durfte ich Philipp Blömeke im Interview dennoch als einen nicht im Geringsten verschrobenen, sondern sympathischen und offenen jungen Mann kennenlernen. :-)
Dass er vor einigen Jahren auf seiner Suche nach einem Medium, mit dem er sich ausdrücken könne, das Schreiben wählte, lag übrigens nahe: bereits sein Großvater war Dichter, und so hat Philipp das Talent zum Schreiben im Blut. Darüber hinaus ist er in seiner Black Metal-Band aktiv, und parallel zu seiner künstlerischen Karriere plant er nach dem Abitur ein Ethnologiestudium. Auch das Mischen der Sprache mit anderen Medien reizt ihn – so etwa die Verfilmung von Gedichten.

Derzeit ist der Jungautor mit seinem Programm sprachspuren. auf den Bühnen zu sehen sowie zusammen mit dem Sänger und Dichter Chris Goellnitz (The Beautiful Disease, Birdmachine, Artwork) unterwegs, um die gemeinsame Lyrikperformance Surreal-Sousreal auf die Bühnen zu bringen. Kennengelernt haben sich die beiden übrigens durch Zufall, als Philipp ein Buch von Chris erstand, bemerkte, dass in diesem Exemplar eine Strophe fehlte, und man darüber ins Gespräch kam.

“deine haut nah.” ist über den Buchhandel erhältlich (ISBN: 978-3-942003-00-1) oder direkt über den Culex-Verlag.
Mehr Infos zum Autor sowie Leseproben findet ihr auf seiner Webseite: www.philipp-bloemeke.de.

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Diskussion

1 Kommentar zu “Philipp Blömeke: deine haut nah.”

  1. Interessanter Artikel, hab mir das Buch vorgemerkt, allein schon den Titel finde ich sehr gelungen. Was mir auffällt ist, dass in letzter Zeit viele Bücher von Autoren dieser sehr jungen Generation auf den Markt kommen, die stetig auf der Suche sind und versuchen sich selbst eine Stimme zu geben. Werd mir das Buch auf jeden Fall besorgen….

    meinte Chris S. | 22. Februar 2010, 12:47

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