WGT 2010- Ein kleiner Rückblick
Endlich war es wieder soweit – der große Moment auf den man schon im Winter fiebert: Wave Gotik Treffen in Leipzig zu Pfingsten.
Und nun ist es auch schon wieder vorbei – die Besucher haben bereits Fotos davon ins Netz gestellt oder sich selbst auf den Schnappschüssen anderer gesucht, verlorene Kontakte konnte man in diversen Foren bereits wieder finden oder auch überhaupt erst knüpfen, falls man die Gelegenheit verpasst hatte, das „interessante Wesen mit den blauen Flügeln und dem Stachelhalsband“ anzusprechen. Auch die Leipziger hatten wieder ein paar spannende Tage, viel zu gucken, und manch eine kulturinteressierte ältere Dame freute sich, ihr angestaubtes Russisch auspacken zu können, wenn ein schwarz gekleidetes Mädel aus Europas Osten freundlich nach dem Weg zur Agra fragte.
Ja es war schon ein bisschen seltsam für die Leipziger anfangs der 90er, als sie damals feststellten, dass Pfingsten in ihrer Stadt immer schwärzer wurde, aber der Großteil freut sich mittlerweile über das friedliebende und ruhige Publikum, die kunstvollen Gewänder und natürlich den wirtschaftlichen Pluspunkt, den das ganze mit sich bringt (Bemerkung einer Bewohnerin).
Die ganze City hatte sich wieder auf das Ereignis eingestimmt, und so konnte jeder, der noch nach der besonderen Bekleidung suchte, aber nichts von der Stange wollte, in Leipzigs Modeateliers stöbern, welche ihre Schaufenster extra mit exklusiven Gothic-Kreationen geschmückt hatten.
Die Atmosphäre stimmte also – das Klima allerdings machte ab und zu einen auf „April“ und zeigte sich gern von seiner abwechslungsreichen Seite: Doch wer sich überdachte Konzerte wie im Werk II anschaute, war vorm kühlen Nass geschützt. Am Freitag konnte man in der großen Halle z.B. ein wunderschönes Konzert von Kirlian Camera und fast im Anschluss ein berauschendes Mitternachts-Spezial mit Brendan Perry erleben und dabei in völlig andere Sphären eintauchen. Klar hätte Perrys Musik vielleicht eher in ein intimeres Ambiente gepasst, das tat dem einwandfreien Hörgenuss aber keinen Abbruch – manch einer stand beim Lauschen einfach verzückt mit geschlossenen Augen oder den Blick nur zu Boden gewandt da.
Alexander Veljanov hatte da schon mehr Glück mit der Auswahl der Location: Sein Konzert fand am Samstag auf der Parkbühne im Clara-Zetkin-Park statt. Und auch das Wetter wollte dort mitspielen: Sah es kurz vorher noch nach Sturm und Regen aus, legte sich der Wind pünktlich zum Konzertbeginn um 21.00 Uhr. Besser konnte es für die Musiker gar nicht laufen: Der Platz vor der Bühne war sehr gut gefüllt und die nach ca. einer halben Stunde langsam anbrechende Dämmerung ließ auch die richtige Stimmung zu den ausgesprochen gefühlvoll vorgetragenen Liedern aufkommen. Für echte Fans waren natürlich alle wichtigen Lieder des aktuellen Albums „Porta Macedonia“ dabei sowie „Black Girl“, „The Man With The Silver Gun“ und „Fly Away“ als ältere Vertreter. Ansagen gab es – dem internationalen Publikum sowie der Thematik zu liebe – auch auf Englisch und Mazedonisch, zum Schluss konnten sich die Fans noch über „Königin Aus Eis“ und – wie sollte es auch anders sein – das getragene „Dirt“ als Zugabe freuen.
Am nächsten Tag hielt sich das erwartete Gewitter dann aber nicht mehr zurück: Der nachmittägliche Schauer (nicht der erste an diesem sonst angenehm warmen und sogar sonnigen Tag) hatte auf dem kleinen Mittelaltermarkt auf der Moritzbastei den Ablaufplan unterbrochen und mancher Gast, der diesen Platz ohne Festivalbändchen aufsuchte und dementsprechend extra Eintritt lösen musste, fühlte sich erst mal ein bisschen irritiert: Wofür hatte er jetzt noch mal so viele Taler bezahlt? Aber Gott sei Dank hielt der Regen ja nicht ewig – bald strahlte wieder die Sonne und alles ging seinen geplanten Gang. Nicht nur die Akteure im Heidnischen Dorf sondern auch die Zuschauer und Musiker, die die Parkbühne bevölkerten, hat’s gefreut. So konnte dort Gitane Demone eine gelungene Show hinlegen – energisch und erotisch zugleich: Schon beim ersten Lied entblätterte sie sich die Grand Dame des Death Rock bis auf BH und Strumpfhose. Schwer war das allerdings nicht, immerhin gab es nur ein schwarzes Jäckchen dafür abzustreifen, was sie sich anschließend jedoch gleich wieder anzog (– Schließlich käme jetzt ein ernstes Lied, so die Sängerin –). Gänsehaut verursachte ihre Stimme nicht nur bei Songs wie „Gloomy Sunday“, auch ihr engagierter Aufruf an das Publikum in Hoffnung auf einen allgemeinen politischen Wandel („Never give up!“) traf den Nerv Vieler. Nach diesem ehrlichen Auftritt wollte das Publikum sie nicht gleich gehen lassen und forderte eine Zugabe, so dass die sichtlich überraschte und gerührte Sängerin dieser Bitte mit einem kleinen Gesangsexperiment ohne instrumentelle Begleitung nachkam.
Auf der Parkbühne endete danach das WGT, doch wer wollte, konnte sich anschließend noch The Klinik im Kohlrabizirkus anschauen oder im Volkspalast chillen und dabei den Sound und die im Hintergrund laufenden bizarren Videobilder von Nurse With Wound auf sich wirken lassen. Am besten natürlich mit einem kühlen Getränk in der Hand, um danach noch ein letztes Mal fit zu sein für eine der unzähligen Aftershow-Partys, denn in der Moritzbastei oder dem Dark Flower war das Festival noch lange nicht zu Ende…

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