Summer Breeze 2009

verfasst am 19. August 2009
von
| Rubrik: Konzertberichte
Unheilig @ Summer Breeze 2009

Dinkelsbühl in Bayern – eine der letzten Bastionen einer scheinbar heilen Welt, mit einer Altstadt wie aus dem Bilderbuch: außenherum eine intakte mittelalterliche Stadtmauer, innen Fachwerkhäuser, liebevoll gepflegte Gärtchen und in den engen Gassen hallt das Getrappel von Pferdehufen auf Kopfsteinpflaster wider.
Und dann das: 40.000 vorwiegend schwarz gekleidete Gestalten, langhaarige Kerle mit Trinkhörnern und/oder Bierdosen (deren Kommunikation hauptsächlich über verschiedene Modulationen von Rülpslauten abzulaufen scheint) und jede Menge Krach!

Vom 13. bis zum 15. August hatte das Summer Breeze den geneigten Festivalbesucher geladen, um Bands wie Opeth, Amon Amarth, J.B.O., Amorphis und viele weitere Acts zu erleben. Mittwochs fand außerdem bereits ein Newcomer-Contest statt, deren Gewinner am Donnerstag auf der Pain Stage das Festival offiziell eröffnen durften.

Summer Breeze 2009 | Impressionen

Okay. Fangen wir mit dem an, was gut organisiert war: zwischen den beiden großen Bühnen, der Main Stage und der Pain Stage, wurden die Auftritte live auf eine riesige Videoleinwand projiziert, sodass nicht nur die vorderen Reihen einen erstklassigen Blick auf’s Geschehen hatten. Zwischen den Spielzeiten auf diesen beiden Bühnen lagen jeweils wenige Minuten – man verpasste also nichts durch etwaige Überschneidungen. Nicht zu vergessen natürlich das breitgefächerte LineUp, das sowohl Newcomern eine Chance gab, als auch viele hochkarätige Acts auf die Bühne holte.

Second Relation @ Summer Breeze 2009

Schade nur, dass auch Einiges extrem mies lief. So hieß es für mich nach erfolgter Akkreditierung, dass auch der Pressezutritt 70 Öcken kostete. Ach. Also nicht nur vier Tage arbeiten, sondern auch noch dafür bezahlen. Aber nun gut, anbetrachts des LineUps war es mir das wert. Die große Ernüchterung traf dann eine ganze Reihe von Fotografen: die letzten drei Bands auf beiden Bühnen galten als Headliner und durften nur von Inhabern eines speziellen Headliner-Passes fotografiert werden. Dass es diese Abstufung gab, davon war weder auf der Webseite, noch bei der Akkreditierung oder am Pressecontainer die Rede gewesen, und auch der freundliche Mensch am Info-Point war darüber sehr erstaunt und konnte mir keine Auskunft geben. Jeweils drei Bands auf zwei Bühnen an drei Tagen – da fallen dann mal gleich schlappe 18 Acts weg, und natürlich waren die meisten davon genau die, wegen der wir da waren. Bravo. Davon gibt’s dann also keine Bilder zu sehen…

Deadlock @ Summer Breeze 2009

Der zweite Kritikpunkt betrifft die sanitären Anlagen. Auf einem Festival mit 40.000 Besuchern nur zwei Stationen mit Duschen und Spülklos zur Verfügung zu stellen, mag zwar dem Motto “Duschen ist kein Heavy Metal” entsprechen, ist aber zu wenig. 1 Euro pro Toilettenbesuch ist auch nicht gerade geschenkt… Dixies waren weitaus zahlreicher vorhanden, aber in bester Dixie-Tradition widerlich dreckig. Fließendes Wasser gab es an den Dixie-Stationen in etwa 30cm Höhe aus einem Wasserhahn, um den herum sich morastige Schlammseen gebildet hatten. Lediglich eine Station hielt Waschbeckenreihen bereit. Das hätte meiner Meinung (und der vieler Besucher und Händler, mit denen ich ins Gespräch kam) nach deutlich besser organisiert sein können. Andere große Festivals wie das M’Era Luna zeigen ja, dass dies möglich ist, hier gibt es zahlreiche kostenlose Porzellanklos, Waschbecken, Duschen und Trinkwasserzapfanlagen.

Aber nun gut. Kommen wir zu dem, was so ein Festival mindestens ebenso sehr ausmacht wie das ganze Drumherum: die Bands.

Battlelore @ Summer Breeze 2009

Besonders gefreut hatte ich mich im Vorfeld auf Haggard, Life of Agony und Battlelore, und vor allem die beiden Letztgenannten wussten so richtig zu überzeugen.
Haggard
habe ich ja nun schon mehrmals live erleben dürfen, und gemessen an den anderen Auftritten fiel dieser leider etwas schwach aus. Die Songauswahl ließ leider einige der großen Klassiker vermissen, und auch der weibliche Gesangspart war stellenweise arg schrill.

Deadlock @ Summer Breeze 2009

Neu für mich entdeckt habe ich beim diesjährigen Summer Breeze Deadlock, die sich in ihren Texten – ungewöhnlich für eine Death Metal-Combo – unter anderem mit ihrer strikt veganen Lebensführung auseinandersetzen und auch gerne mal über den Genre-Tellerrand drüber hinausgucken. Sympathisch. :o)

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4 Kommentare

  1. fwolf

    Das mit dem “widerlich dreckig” bei den Dixis hör ich zum ersten Mal. Aber selber schuld, wer VIP zeltet ;)

    Bei Tower I und D wars immer sauber, regelmäßig geleert und sogar tw. mit Klopapier ausgestattet.

    Was das Duschen + Co. anbelangt: Ebenfalls selber schuld. Dann halt lieber im Ort ein Hotel oder Pension suchen. Außerdem war von vorneherein bekannt, dass es KEINE Festinstallation gibt (weil hierfür keine Kanalisation bzw. sonstige geeignete Abwasserkanäle vorhanden sind).

    Ansonsten: 5-Liter-Flasche besorgen, und damit Haare waschen – hat prima funktioniert (und die Katzenwäsche auch). Wer mehr will: Trennwand zum Aufstellen oder geschloßenen Pavel benutzn, fertig. Aufblasbare Planschbecken tuns alternativ auch – und man kann sie obendrein noch sinnvoll zum Getränke kühlen verwenden ;)

    Und drittens: die inoffizielle Zahl – laut Malteser – lag bei 35k (offiziell 14k). Und deshalb war die Orga natürlich auch total ineffizient und überfordert. Die fadenscheinige Ausrede, dass sich da “einige Ordner eben nicht richtig informiert oder eigenmächtig gehandelt” haben, ziehen bei mir nicht.
    Als jemand, der schon auf deutlich größeren Veranstaltungen gearbeitet hat, kann ich nur sagen: Selbst der größte Eigenbrötler und/oder Depp bekommts noch richtig hin, wenn die Leitung Ahnung hat von dem, was sie anweist. Vorbereitungen a la “Infoblätter mit Karte und wichtigsten Daten erstellen” und dann alle Mitarbeiter, auch die, die vielleicht erst später hinzugezogen werden, austeilen, helfen IMMENS, um Großveranstaltungen nicht aus dem Ruder laufen zu lassen.

    cu, w0lf.

  2. Avatar of neontrauma
    neontrauma

    Wir haben auf dem normalen Campinggelände gezeltet, waren ja zu mehreren, nix VIP. ;)
    Bei uns war Tower G in der Nähe, wenn ich mich recht erinnere, und da war’s meist ziemlich dreckig. In einem Hotel wohnen find ich bei Festivals aber auch irgendwie blöd, weil man dann das meiste von der Stimmung ja gar nicht mitkriegt.

  3. ragnarök

    Die große Zahl ahnungsloser Fotografen vor den Headlinern am Eingang zum Fotograben von den Securities wegschicken lassen…absolut unterste Schublade. Und trotz allem, (2,50 fürs duschen sind ne Dreistigkeit) gehört zelten zum Festi dazu wie Bier und Würstchen. Freundlich gesagt ungeschickt war es, die wenigen Wasserhähne in Knöchelhöhe auf der Rückseite der Dixies zu platzieren. Wer Wasser wollte, mußte sich durch die Dunstglocke der Dixies durch eine mehrere Quadratmeter große Schlammfläche kämpfen und dann da hineinknien…großartig. Und wie auch meiner Schwester kam mir das LineUp irgendwie ausgedünnt vor, als wir die Karten gekauft haben schien das etwas anders auszusehen. Gab wohl ne Reihe Absagen. Und das Haggard ihren Auftritt echt verhunzt haben war auch blöd. Lichtblicke waren dagegen Cantus Buranus und Amorphis.
    ragnarök

  4. fwolf

    Apropos Wasserhähne: Die “Waschbecken” auf dem FG waren ja auch etwas “ungünstig” aufgestellt .. :D

    cu, w0lf.

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