Seltsame Wetterphänomene über dem Flugplatz Hildesheim-Drispenstedt: in der an sich lauen Abendbrise bildet sich eine geballte Hitzewolke, ist die Luftfeuchtigkeit fast greifbar, vibrieren Luft und Erde. Und laut ist es! “Invaders – must – die!”, brüllt der Mann auf der Bühne in sein Mikro, und Tausende Fans reißen die Hände in die Höhe und springen, tanzen, kreischen – keine Frage, der Headliner The Prodigy am Sonntagabend war der klare Höhepunkt des diesjährigen M’Era Luna-Festivals!
Aber fangen wir vorne an: wie so viele der insgesamt rund 23.000 Besucher kamen wir bereits am Freitagnachmittag an, um uns einen guten Zeltplatz zu sichern und Zelt samt Pavillon aufzubauen. Nach getaner Arbeit durfte denn auch die Belohnung in Form eines kühlen Biers nicht fehlen – klasse, dass Beck’s als der Sponsor des M’Era Luna seine 0,5er-Dosen für einen Euro anbot!
Gegen Abend erwachte das mittelalterliche Dorf zum Leben, wo in romantischem Fackelschein nebst diversen kulinarischen Köstlichkeiten wie Falafel und Met auch viel Unterhaltung geboten wurde: beim Mäuseroulette konnte man sein Glück versuchen und darauf hoffen, dass die Maus in dasjenige Haus huschen würde, auf das man seinen Taler gesetzt hatte. Jongleure mit brennenden Fackeln ließen sich bewundern, und während am Himmel ein fast kreisrunder Blutmond aufstieg, traute Bruder Ignatius verliebte Pärchen in mittelalterlicher Manier zu Mann und Frau – na, zumindest für die nächsten 24 Stunden. ;-)
Nicht nur die Party im Discohangar lud zum Einstimmen auf das Festivalwochenende, auch quer über den Campingplatz wurde kräftig gefeiert. Selbst der Tod ließ sich das Spektakel nicht entgehen und kurvte in Form eines Skeletts auf einem ferngesteuerten kleinen Truck durch die Menge. ;-)
Samstag, 8. August 2009
Am Samstagvormittag öffnete dann das Festivalgelände seine Tore. Bevor es um elf Uhr auf der Mainstage mit No More bzw. um zwanzig nach elf im Hangar mit Heimataerde losging, blieb noch etwas Zeit zum Bummeln über das ausgedehnte Shopppingareal. Von Kleidung und Accessoires über gothische Wohnungseinrichtung bis hin zu Fetisch/SM und Bandmerchandise war alles vertreten.
Die Kieler PostPunk-Formation No More, die sich 2006 zwanzig (!) Jahre nach ihrer Auflösung wiedervereint hatte, begrüßte das M’Era Luna unter anderem mit ihrem Hit Suicide Commando (der übrigens bei der Namensgebung der gleichnamigen Band Pate stand). Im Hangar bewiesen währenddessen Heimataerde, dass mittelalterliche Instrumente sehr wohl mit hartem Elektro zusammengehen können.
“Welcome to our breakfast show!” Die Whispers In The Shadow rockten auf der Mainstage und bewiesen Humor bei den Ansagen: “I hope you’ll like our music, buy lots of records and make us rich as hell!”
Auf Krypteria durften schon all jene Festivalbesucher aufmerksam geworden sein, die am Stand des Sonic Seducers eine der kultigen kostenlosen Stofftaschen ergattert hatten, wurde auf selbigen doch das im August erscheinende neue Album “My Fatal Kiss” beworben. Hiervon gab es denn auch gleich einige Stücke zu hören: den Kracher For you I’ll bring the Devil down und zum Abschluss My Fatal Kiss. Tolle Stücke, die der VÖ des Albums gespannt entgegenblicken lassen!
Lola Angst brachten den ohnehin schon stickigen Hangar zum Kochen: “Ich will euch tanzen sehen, es ist euer Wochenende!”
Draußen auf der Mainstage sahen wir uns die Letzte Instanz und später Oomph! an. Beide Acts spielten weitestgehend ihr bekanntes, festivaltaugliches Best Of… der Neuling erfreut sich so natürlich an einem leichten Zugang zu ihrer Musik, der geneigte Kenner hingegen würde sich eher etwas Neues zur Abwechslung wünschen. Mit Sandmann präsentierten Dero und die Seinen allerdings ein relativ neues Stück, das die Kinderarmut in Deutschland anprangert.
Auch Welle: Erdball bewiesen wieder einmal Engagement und so appellierte Honey, wie bei jedem Auftritt, zum Unterzeichnen der ausliegenden Petitionen zum Tierschutz. Die Show Sendung von Welle: Erdball brachte altbekannte und geliebte Klassiker wie 23, Plastique oder Wo kommen all die Geister her mit sich, und traditionell durften Accessoies wie die auf’s Publikum losgelassenen Papierflieger (Starfighter F-104G), riesigen roten Luftballons (Schweben, fliegen und fallen) oder das große Ölfass (Arbeit adelt) nicht fehlen. Zusammen mit The Prodigy für mich der Höhepunkt des M’Era Lunas 2009!
Nur das endlos lange Geschiebe beim Verlassen des Hangars war weniger schön, weil gleichzeitig die Zeraphine-Fans hinein wollten; hier wären getrennte Ein- und Ausgänge sicherlich eine Erleichterung.
Heppner, Apocalyptica und Nightwish traten allesamt auf der Mainstage auf, und der guten Akustik sei Dank musste man sich nicht im Bühnenbereich aufhalten, um in den vollen Genuss der Klänge zu kommen. So schlenderten wir noch einmal ausgiebig durch den Shoppingbereich, hatten anbetrachts der großen Bandbreite einige Entscheidungsschwierigkeiten bei der Wahl des Abendessens und ließen den Tag später denn gemütlich vor dem Zelt sitzend ausklingen.
Nightwish lieferten (trotz zwischenzeitlicher technischer Probleme) ohne Frage eine tolle Show ab, wenngleich die alten “Tarja-Stücke” neu eingesungen meiner Meinung nach den Originalen nicht das Wasser reichen können.
Sonntag, 9. August 2009
Der Sonntag ging für uns mit Scream Silence auf der Mainstage los, die mir gut gefielen. Zeromancer waren natürlich wie zu erwarten ein richtiger Kracher, und wer hier nach nicht wach war, war selber schuld. :o)
Schelmish spielten Mittelalter-Rock, der stellenweise stark an In Extremo denken ließ, und so kamen auch die mittelalterlich gewandeten Festivalbesucher auf ihre Kosten.
L’Âme Immortelle sind nicht so ganz mein Fall, und dass die Crüxshadows auf Marilyn my Bitterness verzichteten, ließ den Auftritt irgendwie nur halbfertig erscheinen, der Rest war trotzdem fein. Rogue verbrachte gefühlt mehr Zeit in der Menge und auf den Bühnenaufbauten als auf der Bühne selber.
Am Spätnachmittag zogen am Himmel dann dunkle Wolken auf, die nichts Gutes verhießen. Aber: toi toi toi, es blieb trocken! Umso erstaunlicher, als dass wir später in den Nachrichten erfuhren, dass es im Landkreis Hildesheim zu so starken Unwettern gekommen war, dass ein sonst 30cm tiefer Bach plötzlich auf zweieinhalb Meter anschwoll und das Wasser teilweise einen Meter hoch auf den Straßen stand.
Während sich im Hangar IAMX die Ehre gaben und die Fans begeisterten, spielten auf der Mainstage Subway To Sally eine bunte Mischung aus ihrem Repertoire. Und klar, dass am Ende Julia und die Räuber nicht fehlen durften: Blut, Blut, Räuber saufen Blut… :o)
Und dann… ja, dann war es kurz vor neun und mit leichter Verspätung betraten The Prodigy die Mainstage…
Fazit: ein großartiges Festivalwochenende mit viel Spaß, das durch ein tolles LineUp, gute Organisation (vor allem: genügend Toiletten, Duschen und Trinkwasserspender) und ein angenehmes, friedliches Publikum glänzte.
Bis zum nächsten Jahr!





10. August 2009 um 13:04 Uhr
Das bestorganisierte Festival, tolles LineUp und
großartige Stimmung, da kommt man gerne im nächsten
Jahr und dann auch schon zum siebten mal wieder.
Toll wie sich die Organisatoren bemühen, jedes Jahr
Detailverbesserungen einzuführen. Nur wird mir wohl
immer ein Rätsel bleiben warum man nicht mit ein
paar Absperrgittern den Zutritt zum Hangar in einen
Ein-und Ausgang teilt. Das Geschiebe und Gedränge
ist Jahr für Jahr ein kleiner Wehrmutstropfen.
Aber das kriegen die bestimmt auch mal hin.
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10. August 2009 um 18:46 Uhr
Ich war auch schwer begeistert, auch wenn ich Anne´s Eindrücke nur zum Teil teilen kann :)
Aber das liegt wohl am subjektiven Geschmacksempfinden. Ein tolles Festival, prima Organisiert und mit echten Toiletten. Nächstes Jahr? Immer wieder :)