Faun @ Burg Satzvey, 26.3.2009
Eine passendere Kulisse kann man sich für den Auftritt einer Paganfolkband wohl kaum vorstellen: eine mittelalterliche Wasserburg, deren älteste Teile noch aus dem 12. Jahrhundert stammen.
So machten wir uns also am 26. März 2009 auf den Weg nach Burg Satzvey, bei Mechernich in der Eifel, um einen Abend mit der Münchener Formation Faun unplugged zu erleben.
Da wir die Location noch nicht kannten, fuhren wir bereits nachmittags los – um allerdings festzustellen, dass man das Innere der Burg nur am Wochenende und nach Voranmeldung besichtigen kann und dass die Umgebung, abgesehen von einem Industriegebiet, auch nicht wirklich viel zu bieten hat. Das nasskalte Nieselwetter tat sein Übriges, sodass wir uns erst einmal bei Kaffee und Kakao in dem kleinen Restaurant Da Marcello aufwärmten, das in einer Ecke der Satzveyer Anlage liegt.
Gegen halb acht fand man sich schließlich in der Rüstkammer ein, die heutzutage eine kleine Wirtschaft beherbergt und direkt an den Saal grenzt, in dem der Auftritt der Faune stattfinden sollte. Selbiger Saal wurde von diversen achtarmigen Kerzenleuchtern in ein warmes Licht getaucht, was zusammen mit den dunkelroten Wänden für eine gemütliche Atmosphäre sorgte.
Als man schließlich auf den bereitgestellten Holzbänken und Stühlen Platz genommen hatte, war der Saal dicht gefüllt (wobei sich besagte Bänke als nicht allzu bequem erwiesen und die zwanzigminütige Pause nach der Hälfte des Konzerts von vielen begrüßt wurde, um ihr Hinterteil zu erholen). Ein Blick in das Publikum machte deutlich, dass die Faune weit über die Mittelalter- und Gothicszene hinaus bekannt und beliebt sind, denn hier fanden sich Menschen der unterschiedlichsten Szenen und Altersgruppen zusammen.
Um halb neun betraten denn Oli, Fiona, Sandra und Rüdiger die Bühne und versammelten sich inmitten ihrer diversen bereitgestellten Instrumente: Harfe, Nyckelharpa, Dudelsack, Flöte, Geige, Laute, Drehleier, Dombra, Trommel, und was nicht alles mehr…
Elektroniker Niels fand sich gemäß des unplugged-Auftritts diesmal nicht auf der Bühne ein (obwohl man dann doch einige Verstärker einsetzte, um überhaupt im ganzen Saal gehört zu werden).
Eröffnet wurde der Abend mit “Satyros” – und wo wir schon beim Namen sind: SaTyr aka Oli führte das Publikum mit seinen humorvollen Ansagen kurzweilig von Stück zu Stück, wobei er auch immer einige interssante Erläuterungen und Erklärungen zum jeweils nächsten Lied abgab.
So erfuhren wir zum Beispiel, dass die Faune aufgrund ihres verwendeten traditionellen Liedmaterials wiederholt von nationalistischen und fundamentalistischen Extremisten angesprochen wurden. Von diesen distanzieren sich Faun natürlich eindeutig! Nichtsdestotrotz treten sie dafür ein, diese folkloristischen Stücke als Kulturgut zu bewahren und weiterhin aufzuführen. So wurde etwa das kasachische Volkslied “Erkenekon” zum Besten gegeben, und auch der “König von Thule”, dessen Text niemand anderes als Johann Wolfgang von Goethe verfasst hat und der dennoch die NPD auf den Plan rief.
Mit einem virtuosen Trommelsolo demonstrierte Rüdiger bei “Da Que Deus”, wie schnell man seine Finger doch bewegen und was man aus einer Rahmentrommel herausholen kann. Wirklich beeindruckend! Der ganze Saal hielt währenddessen den Atem an, und der anschließende Applaus wollte gar nicht mehr enden.
Wunderbar viele Geschichten gab es an diesem Abend zu hören: von der Prinzessin Lilofee (nein, nicht Lillifee!) erzählt “Der wilde Wassermann” , über den Umgang mit Trollweibern klärte “Herr Heinrich” auf und auch “Von den Elben” wurde berichtet.
Mit “Tinta” gaben die Faune eine alte spanische Liebesballade zum Besten, das bei dem ein oder anderen für eine Gänehaut sorgte: “Wäre das Meer die Tinte / und der Himmel das Papier / könnte man selbst dann nicht schreiben / wie groß meine Liebe ist”
Grinsend kommentierte SaTyr, dass die mittelalterliche spanische Liedersammlung “Cantillas de Santa Maria” übrigens nicht weniger als 405 GEMA-freie Stücke bereitstellte. ;-)
Das bekannte Volkslied “Brücke über den Main”, das in kindlicher Sprache vom Tod erzählt, durfte ebensowenig fehlen wie der “Urschrei” oder “Karuna”.
Irgendwann muss aber leider auch der wunderbarste Auftritt enden, und so verabschiedeten sich die Faune schließlich mit zwei Zugaben: “Rosmarin” und dem “König von Thule”.
Zurück bleiben die Erinnerung an einen stimmungsvollen, intensiven Abend und die Vorfreude auf die nächste Gelegenheit, Faun live erleben zu dürfen!
Setlist
- Satyros
- Ne aludj el
- Sao Roma
- Herr Heinrich
- Von den Elben
- Karuna
- Sigurdlied
- Der wilde Wassermann
- Da Que Deus
- Urschrei
- Erkenekon
- Brücke über den Main
- Tinta
- Cuncti Simus
- Avrix
- Zugabe 1: Rosmarin
- Zugabe 2: König von Thule

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