Empyrium & Dornenreich @ Christuskirche Bochum, 21.1.2012

verfasst am 22. Januar 2012
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| Rubrik: Konzertberichte
Dornenreich @ Christuskirche Bochum, 21.1.2012

Dornenreich und Empyrium gemeinsam in den Gemäuern einer ehrwürdigen Kirche zu sehen versprach ein großes Konzerterlebnis – es wurde ein Abend mit Licht und Schatten.
Doch der Reihe nach…

Die Anfahrt zur Christuskirche in Bochum gestaltete sich schwieriger als gedacht, befinden sich doch an der angegebenen Adresse am Westring ein Fußweg, eine Einfahrt zu einer Tiefgarage und sonst – nichts! Ohne Ortskundigkeit ist da nichts zu machen, und erst nach einigen unfreiwilligen Runden im Auto und zu Fuß gelang es uns schließlich, den Veranstaltungsort zu finden.
Immerhin hat es mit der Akkreditierung reibungslos geklappt, und dafür einen herzlichen Dank an Pfarrer Thomas Wessel. Ein kleiner Bereich mit Stühlen war als Pressebereich eingerichtet, und so fanden wir schnell unsere Plätze – und damit hatten wir allen anderen Besuchern des Konzertes gegenüber eine großen Vorteil. Denn jeder, wirklich jeder lief mit ratlosem Gesicht durch die Reihen der Bänke und versuchte das System hinter der Beschilderung der Sitzplätze zu verstehen. Auch dieser Umstand trug sicher mit dazu bei, dass das Konzert erst mit einer geschlagenen Dreiviertelstunde Verspätung begann.

Dornenreich @ Christuskirche Bochum, 21.1.2012

Um 20:45 also betraten Dornenreich die Bühne, um ein exklusives Akustikset zum Besten zu geben. Nun muss ich vorweg schicken, dass ich Dornenreich nur vom Hörensagen kenne, aber dieses Hörensagen war immer voll des Lobes, und wenn sie gemeinsam mit Empyrium auftreten… aber ich war am Ende noch nicht wirklich überzeugt. Keine Frage, das Violinen- und Gitarrenspiel von Thomas Inve Riesner und Jochen Eviga Stock ist überaus virtuos, ja betörend. Aber spätestens ab dem dritten, vierten Lied dachte ich immer wieder: diese Akkordfolge, diese Melodie, das hab ich doch schon mal gehört?

Dornenreich @ Christuskirche Bochum, 21.1.2012

Und so kam mir das Set insgesamt, bei aller Inbrunst und Energie des Vortrages, ein wenig eintönig vor. Nun fehlte mir aber die Möglichkeit, die Akustikversionen mit den Albumversionen zu vergleichen, und da hat mich nun doch die Neugierde gepackt und ich werde mein Einkaufskörbchen demnächst mal mit der einen oder anderen Dornenreich-CD füllen.

Setlist Dornenreich

  1. Flügel in Fels
  2. Der Hexe nächtlich Ritt
  3. Meer
  4. ?
  5. ?
  6. Instrumental
  7. Jagd
  8. Instrumental
  9. Aufbruch
  10. Reime faucht der Märchensarg
Empyrium @ Christuskirche Bochum, 21.1.2012

Dann aber war es Zeit für Empyrium, eine Band, die für mich kaum mit Worten zu fassen ist ob ihrer Tiefe und Ausdrucksstärke. Und so war ich äußerst gespannt, wie die Truppe um Ulf Theodor Schwadorf sich live präsentieren würde. Zur Erinnerung: neben dem Auftritt beim WGT 2011 sollte dies das erste Einzelkonzert der Bandgeschichte werden!

Los ging es mit “The days before the fall”, dem ersten Song der Band nach der Neugründung 2010, der Großes hoffen lässt, sollten Empyrium tatsächlich noch einmal ein ganzes Album auf die Beine stellen. Sofort war das Publikum begeistert mit dabei, und weiter ging die Reise, diesmal ganz zurück an den Anfang der Bandgeschichte, “The franconian woods in winter’s silence” aus dem ersten Album “A wintersunset…”. Untermalt wurde das Ganze durch sparsame, gleichsam psychedelische Lichteffekte und – beabsichtigt oder nicht – ein wunderschönes Schattenspiel an der Kirchenwand.

Empyrium @ Christuskirche Bochum, 21.1.2012

Nach einer kleinen akustischen Atempause folgte mit “Mourners” ein echter Kracher aus dem meiner Meinung nach besten Album von Empyrium: “Songs of moors and misty fields”.
Darüber, was dieses Album mir bedeutet, habe ich mich ja an anderer Stelle schon ausführlich geäußert. Der Song ist so vielschichtig und verwoben, so abwechslungsreich, und doch haben alle Musiker gemeinsam es geschafft, daraus ein in sich geschlossenes Kunstwerk entstehen zu lassen – großes Bandplay, Respekt.

Empyrium @ Christuskirche Bochum, 21.1.2012

Ein bißchen würde ich mir wünschen, dass Empyrium, wie Pink Floyd das ja schon vorgemacht haben als sie die komplette “Dark side of the moon” innerhalb der Pulse-Tour spielten, das ganze Album innerhalb ihrer Konzerte darbieten würden. Denn auch wenn “Songs of moors and misty fields” kein Konzeptalbum im eigentlichen Sinne ist, so erzählt es doch eine durchgehende, aufeinander aufbauende Geschichte, und es ist schwierig, da einzelne Songs rauszureißen. Und so fehlte irgendwie “The blue mists of the night” als Überleitung zu “Mourners”, und ebenso irritiert war ich im ersten Moment, danach nicht “Ode to melancholy” zu hören, wie es eben auf dem Album ist.

Empyrium @ Christuskirche Bochum, 21.1.2012

Doch das anschließende “Die Schwäne im Schilf” konnte dafür mehr als entschädigen, denn auch das letzte Album, “Weiland”, birgt wunderschöne Kleinodien. Allen, die hoffen, aus “The days before the fall” würde sich ein neues Album entwickeln, gab das nächste Stück Hoffnung: es gab ein weiteres neues  Stück, “Dead winter ways”, welches bisher noch nicht veröffentlicht wurde und nur auf dem WGT zu hören gewesen ist.

Empyrium @ Christuskirche Bochum, 21.1.2012

Doch auch der schönste Abend muss einmal enden, und so wurde das nächste auch als das letzte Stück angekündigt: “Der Weiher”. Und nach diesem vermeintlich letzten Song bewies Schwadorf einmal mehr Größe, als er auf das übliche “Wir gehen jetzt raus und lassen uns bitten”-Ritual verzichtete, und stattdessen schlicht fragte, “Wollt ihr noch was hören?”. Was für eine Frage, und so gab es noch “Many moons ago” und “Das blau-kristallne Kämmerlein” zu hören. Und angesichts des frenetischen Beifalls für diese rundum gelungene Konzert blieb die Band dann doch noch auf der Bühne, um noch einmal “Mourners” zu spielen, als, so Schwadorf, Dankeschön für den riesigen Applaus. Somit konnte das Publikum noch einmal ganz tief eintauchen in alles, was Empyrium in ihrer Größe ausmacht und weitere knapp 10 Minuten Live-Performance von großer Klasse erleben.

Empyrium @ Christuskirche Bochum, 21.1.2012

Was nehmen wir also von diesem Abend in Bochum mit hinaus auf die nächtliche Heimfahrt? Dass die Christuskirche sich gut zu verstecken weiß und ihr eine eindeutige Platzkennzeichnung gut zu Gesicht stehen würde, dass ich mich noch einmal näher mit den Alben von Dornenreich beschäftigen muss, und dass Empyrium die hohen, sehr hohen Erwartungen erfüllen konnten, die ich in dieses Konzert gesetzt hatte. Und dass es gleich an der nächsten Ecke am Westring einen Pizzerialieferservice gibt, der bis 1:00 Uhr aufhat und hungrigen Reisenden schnell zwischen zwei Bestellungen eine fantastische und preiswerte Pizza für den Heimweg backt!

Setlist Empyrium

  1. The days before the fall
  2. The franconian woods in winter’s silence
  3. Where at night the wood grouse plays
  4. Heimwärts
  5. Mourners
  6. Die Schwäne im Schilf
  7. Dead winter ways
  8. Der Weiher
  9. Many moons ago
  10. Das blau-kristallne Kämmerlein
  11. Mourners

Fotogalerie

Fotos: Anne Mühlbauer aka neontrauma

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