Am 25. und 26. Juni war es wieder einmal so weit – das Blackfield-Festival zog rund 5500 Besucher von nah und fern ins Amphitheater Gelsenkirchen. Von Enttäuschung über das abgesagte Festival in Querfurt war vor Ort nichts zu spüren.
Samstag, 25. Juni
Konstanter Niederschlag und kalte Temperaturen trübten das Festivalfeeling bei vielen Besuchern, was leider auch zur Folge hatte, dass die Outfits des Tages überwiegend aus Regenjacken und -schirmen bestanden und nicht so ganz den gewohnten Augenschmaus boten.
Überdies eine Herausforderung für Burn, die erste Band des Tages – viele waren noch gar nicht aus ihren Zelten gekrochen bzw. angereist. Getreu ihrem Motto “Nur wer selbst brennt kann auch Feuer entfachen” aber brachten sie mit ihrer Mischung aus Rock und Wave das Publikum trotzdem zum Mitsingen.
Es folgten Autodafeh, die leider nicht ganz in Originalbesetzung auftreten konnten, da eines der Bandmitglieder am Samstag Vater wurde. Ein Ersatz war jedoch spontan gefunden worden und schadete dem Auftritt auch nicht.
Bei Solar Fake handelt es sich um ein “rein elektronisches” Projekt von Sven Friedrich, sonst bekannt durch Zeraphine. Mit älteren wie auch neuen Songs begeisterte er die allmählich größer werdende Masse, bei der auch das Cover von Such a Shame Anklang fand. Als Abschied gab es den allemal mitsingtauglichen Hit The Rising Doubt.
Synthetisch und ohne viel Gerede ging es weiter mit Absolute Body Control. Passend zu den monotonen Beats war auch der Auftritt schlicht gehalten, was den Fans des 1980 gegründeten belgischen Duos jedoch nicht missfiel.
Spätestens zu Mono Inc. füllte sich das Amphitheater dann – zu Recht! Auch für mich waren sie ein Highlight des Festivals, auf das ich mich gefreut hatte. Neben älteren Hits und der neuen Single begeisterte vor allem Martin Englers Cover von The Passenger - ein Lied, das wohl immer funktioniert! Dank der schicken Kostüme war hier auch für die Augen etwas geboten. Zudem wurde mit Jubel die 100. Folge des Video-Tourtagebuchs “Mono Inc. TV” gedreht, die man auch auf der Bandseite ansehen kann.
“Wucht und Härte” – so lässt sich der Sound vom mexikanischen Import Rabia Sorda wahrlich gut beschreiben. Erk Aicrag, Frontman von Hocico, zeigte sich angesichts des Wetters kreativ und animierte das etwas steifgefrorene Publikum auf den Treppen des Amphitheaters, mit den Schirmen im Takt zu wippen – das brachte Spaß, ließ etwas Festivalfeeling einkehren und sah überdies noch gut aus.
Mit Love never dies starteten Apoptygma Berzerk ihren Auftritt – aufgrund eines nicht funktionierenden Mikrophons leider zunächst ohne Gesang. Im schicken roten Hemd präsentierten sie ihr musikalisches Facettenreichtum, wenngleich es fast ausschließlich ältere Songs zu hören gab. Zum Abschluss gab es eine interessantes englisches Cover von Major Tom, wo die Fans “völlig losgelöst” in den deutschen Refrain einstimmten.
20 Minuten zu spät – was angesichts der Menge an Instrumenten auch verständlich ist – kamen IAMX auf die Bühne. Vier schrille Paradiesvögel, geschminkt und maskiert auf einer Bühne, die eher einem unaufgeräumten Wohnzimmer gleicht, lieferten eine Show ab, die der Optik in nichts nachstand. Alles wurde zum Instrument und im Publikum machte sich eine Mischung aus Verwunderung und Begeisterung breit. Die Mitarbeiter des Festivals kommen kaum noch hinterher, alles, was umgeworfen wird, wieder aufzustellen – die Menge ist begeistert. Dass Sänger Chris Corner den Auftritt vorzeitig beendete konnte nach diesem Spektakel wohl kaum einer übel nehmen.
Zum mangels Sonne nicht vorhandenen Sonnenaufgang kommen Diary of Dreams auf die Bühne – sehr zur Freude derer, die in den ersten Reihen unterm Dach stehen, mit Pyroshow. Eine willkommene Wärmequelle angesichts der mittlerweile doch frostigen Temperaturen und der Tatsache, dass nach einem Tag draußen bei konstantem Regen irgendwie einfach alles klamm ist. Und die Fans müssen auch nicht lange warten – gleich beim Opener The Wedding kommen die Effekte zum Einsatz. Ein Vorgeschmack auf das am 26. August erscheinende Album darf auch nicht fehlen und so geht es weiter mit Undividable. Es wird bis zuletzt getanzt und mitgesungen. Zum Ärger einiger Fans wurden allerdings mehrere Songs gestrichen, um die vor IAMX verlorene Zeit wieder reinzuholen und das Festival pünktlich um 23 Uhr beenden zu können. Nichtsdestotrotz reichte die Zeit, um nach Traumtänzer, dem letzten Song, einen bleibenden Eindruck zu hinterlassen.
Als Headliner des Festivals endet der erste Tag mit einem anderthalbstündigen Auftritt der Berliner von And One. Mit seinem Charme gelingt es Frontmann Steve, wirklich alle eingefrorenen Muskeln in Bewegung zu bringen. Als es dann endlich doch noch aufhört zu regnen kann auch ohne Einschränkung zu Songs wie For, Traumfrau und einigen Covers getanzt werden. Der erste Festivaltag war so wohl für den Großteil der Besucher gerettet.
Sonntag, 26. Juni
Als müsse sich Petrus für den vorangegangenen Tag entschuldigen begrüßte am Sonntag zunächst zwar noch nicht die Sonne, aber immerhin trockenes Wetter das schwarze Volk, von denen sich auch mehr als am Vortag früher aus den Zelten trauten und folglich für mehr Andrang auch bei den ersten Bands schon sorgten.
Für die EBM-Newcomer Blitzmaschine also eine gute Gelegenheit, ihr Debütalbum “Faustrecht” zu präsentieren. Gekonnt gelang es ihnen, das Publikum anzusprechen. Man tanzte sich warm für den zweiten Festivaltag und die einprägsamen deutschen wie auch englischen Texte wurden schnell mitgesungen.
2008 gegründet sind auch Stahlmann noch eher als Newcomer zu bezeichnen. Silber bemalt aber dennoch nicht wie Statuen wissen sie zu begeistern, nicht zuletzt wohl dank der Flasche Whiskey, die durchs Publikum ging. Da schadete es auch nicht, dass statt der 5 eigentlichen Bandmitglieder nur 4 auf der Bühne stehen. Neue deutsche Härte, die etwas an Rammstein erinnert – und das funktioniert!
Für Fans der elektronischen Musik folgten Sono aus Hamburg, die eigentlich schon 2010 hätten dabei sein sollen, da aber zur allgemeinen Enttäuschung in einer Vollsperrung der Autobahn feststanden. 2011 lacht man nur noch darüber und hat Spaß an der Show, wenn auch das Publikum noch etwas verhalten ist. Und für alle, die zuvor nichts damit anfangen konnte, gibt es zum Schluss noch Blame – den “ach, DIE sind das”-Song.
Kontrastprogramm: Reaper. Die schwarz-rote Kriegsbemalung lässt schon erahnen, dass es jetzt aggressiver wird. Auch ohne den erkrankten Gitarristen brachten Kracher wie The Devil is Female, Execution of Your Mind oder Robuste Maschine die tanzende Menge ins schwitzen. Auch Sänger Vasi war mit der Hitze in Kombination mit der Schminke nicht ganz glücklich und musste dann auch einsehen, dass das mit dem Vodka – wenn auch die verkleinerte Ration, schließlich wurde ihm vorgeworfen, er trinke zu viel – nicht die beste Idee war.
Gitarrenstarken Rock, das gab es im Anschluss bei A Life Divided. Aufgrund technischer Probleme leider 20 Minuten zu spät warteten die Fans jedoch nicht umsonst, denn die Band bot genug für die Ohren und auch zum Mitsingen. Frontman Jürgen stand an diesem Tag sogar gleich zweimal auf der Bühne, ist er doch auch Gitarrist bei Eisbrecher.
Eigentlich wären ja nun Rotersand an der Reihe gewesen, doch die mussten ja leider schon in der Vorwoche absagen. So konnte mit Assemblage 23 aus den USA rechtzeitig ein würdiger Ersatz organisiert und die Enttäuschung unter den Fans gemildert werden. Tanzbare Electronic Body Music, was zu begeistern wusste.
Bewegung gab es dann auch bei den Hochleistungssportlern – ach halt, Musikern der Letzten Instanz. Hüpfen, springen, über die Bühne wirbeln, knien und wieder aufstehen und auch das Publikum wird nicht verschont – “kniet nieder!” Doch auch weniger sportlich bezieht das Septett ihre Zuhörer mit ein – so treten die Männer gegen die Frauen ein Gesangsduell an und auch das obligatorische “L” und “I” mit den Fingern darf nicht fehlen. Zu Liedern wie Dein Gott oder Tanz, Tanz, Tanz auch gar kein Problem. Doch zum Abschied werden dank Wir sind allein alle wieder ruhig gestimmt.
Angekündigt als “ruhigster und romantischster Auftritt des Tages” traten die Norweger Combichrist auf die Bühne und hauen in gewohnter Industrial-Manier alles kurz und klein, inklusive der Schlagzeuge, die permanent wieder aufgestellt werden müssen. Doch schon nach wenigen Liedern war der Spuk leider vorbei – ein ungewohntes Geräusch im Hintergrund und mindestens genauso verdutzte Zuschauer wie Musiker selbst, die zunächst noch weiterspielen, dann witzeln “I can’t remember writing that song” und schließlich doch gezwungen waren, das Konzert abzubrechen.
Die Techniker waren unter Hochdruck auf Fehlersuche, Kabel wurden umgesteckt und die Band versuchte, mit Witzen und Akustik-Einlagen etwas Zeit zu überbrücken. Doch es half alles nichts, Industrial funktioniert nunmal nicht ohne Technik und so waren sie gezwungen, einen Auftritt, der von vielen sicherlich sehnlichst erwartet worden war, vorzeitig zu beenden, “Buh”-Rufe inklusive.
Vom Publikum des Blackfield-Festivals vorab als Wunschband ausgewählt betraten Eisbrecher in namensgerechten Outfits die Bühne. An einem derart sonnigen Tag beneidete sicher niemand die Jungs in dicken Winterjacken und Alexx scherzte, das nächste Album werde Wüste heißen, dann dürfe er in Adiletten und Bermudas auf die Bühne. Zwischen Songs wie Leider, Schwarze Witwe, Vergissmeinnicht und Amok – inklusive Trommeln – durfte auch eine kleine Jodeleinlage der sympathischen Bayern nicht fehlen. Alles in Allem eine großartige Show, bei der alle Spaß haben und sich am Ende einig sind: “Die dürfen wiederkommen!”
Bei Schandmaul, dem letzten Act des Festivals hingegen konnte man fast denken, sie würden sich vor dem Publikum fürchten. Als Farbklecks auf dem “Schwarzkittelfestival” scheinen sie sich nicht ganz wohl zu fühlen. Zwar war in der Tat der ein oder andere bereits nach dem Auftritt von Eisbrecher aufgebrochen, nichtsdestotrotz gab es genug Fans, die sich auf die Mittelaltertruppe gefreut hatten. Sänger Thomas, der sich “beim Purzelbäume machen” den Arm gebrochen hatte und daher selbst keine Instrumente spielen konnte stimmte ein Trinklied an – das funktioniere mit jedem Publikum. Und so schlecht war es dann doch auch gar nicht – es wurde getanzt und in altbekannte, aber auch neuere Lieder eingestimmt und man witzelte darüber, dass ihnen ein technischer Defekt nicht ganz so viel anhaben könne wie Stunden zuvor Combichrist. Dein Antlitz, ein Lied, auf das sicher viele gewartet hatten, sangen sie zum Schluss und verabschiedeten sich vom doch nicht ganz so unglücklichen Publikum. Ein bisschen mehr Optimismus, bitte!
Rundum ein gelungenes Festival, könnte man also sagen. Die ein oder andere Panne lässt sich eben nicht verhindern, aber die Organisatoren geben auch ihr Bestes, dies wieder gutzumachen (siehe Sono, die ja 2010 im Stau gestanden hatten). Die Auswahl der Bands bot für jeden Geschmack etwas und die Location ist spitze – so kann man auch von weiter hinten alles sehen, ohne sich ins Gedränge begeben zu müssen. Einzig der Getränkepreis war mit 3,50€ für 0,4l, sowohl für Cola als auch für Wasser, wohl doch etwas hoch und so waren wir froh, etwas mitbringen zu können.
In diesem Sinne – bis zum nächsten Jahr! Der Countdown zum Vorverkauf läuft bereits.
Fotogalerie
Fotos: Anne Mühlbauer aka neontrauma.








4. Juli 2011 um 12:15 Uhr
hey
guter bericht, auch wenn die musikrichtung jetzt nicht gerade meinen geschmack trifft!
ich hätte mal eine frage. hattest du bei dem festival einen presseausweis bzw. “zugang” um die bilder zu machen oder hattest du einfach so deine kamera dabei?
schöne grüße ♥
4. Juli 2011 um 18:57 Uhr
Hej,
ja, ich bin bei Festivals und Konzerten als Fotografin akkreditiert, d.h. mit Zugang zum Fotograben. ;)
Liebe Grüße
Pingback: Blackfield-Festival 2011
4. Juli 2011 um 20:13 Uhr
brauchtest du dafür einen presseausweis oder hast du dich darum beworben?
tut mir leid, dass ich dich hier jetzt so ausfrag :D
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7. Juli 2011 um 11:46 Uhr
Hej,
man fragt bei den Veranstaltern an und verweist eben auf das Magazin (samt jeweiligem Vorbericht), dann klappt es in der Regel mit der Akkreditierung.
7. Juli 2011 um 18:47 Uhr
heey,
das ist ja ein sehr cooles angebot.
aber ob ihr mich überhaupt brauchen könnt :D fotografieren würde ich natürlich jede art von konzert, aber ansonsten bin ich eher so’n rock/hardcore hörer, weiß also nicht ob ich über soetwas berichten könnte bzw. ob hier unten überhaupt interessante veranstaltungen in die richtung sind.
im oktober geh ich an ein konzert von enter shikari, deshalb hab ich auch so nachgehakt, weil ich dort wirklich gerne fotografieren würde :D dachte man müsste auf jeden fall einen presseausweis haben.. nochmal eine nervige frage. was meinst du genu mit vorbericht. bzw, kannst du mir einfach einen link zeigen, wass du als vorbericht mal eingeschickt hast?
meine seite ist halt leider kein magazin ^^
♥
18. Juli 2011 um 23:07 Uhr
HI neontrauma
Tolle Bilder und toller Bericht! Wir haben uns auf dem Blackfield getroffen bin der Fotograf von Unart.tv
Mal sehen wo wir uns mal Wiedersehen, würde mich freuen!
Gruß Michael