Zum zweiten Mal fand an diesem Juni-Wochenende das Blackfield-Festival statt, und wie schon im vergangenen Jahr erwartete uns auch diesmal wieder ein abwechslungsreiches LineUp in einer tollen Location: so durften wir zwanzig Bands erleben, ausgiebig schwarz shoppen und nicht zuletzt die Atmosphäre des direkt zwischen Rhein-Herne-Kanal und Nordstern-Park gelegenen Amphitheaters genießen.
Dass die Veranstalter auf dem besten Wege sind, das Blackfield-Festival zu einer festen Größe zu etablieren, daran besteht anbetrachts der ungefähr 10.000 Besucher – doppelt so viele wie im vergangenen Jahr! – kein Zweifel.
Fotogalerie
Die Galerie mit sämtlichen Festivalfotos (im Großformat) findet ihr hier.
Samstag, 20. Juni 2009
Man soll das Schicksal ja nicht herausfordern…
Als wir am Samstag gegen halb elf morgens in Gelsenkirchen ankamen und auf dem nahe am Festivalgelände gelegenen Parkplatz aus dem Auto krabbelten, schien die Sonne und so holten wir erst einmal die Sonnencremetube raus – eingedenk des letztjährigen Blackfield-Festivals, wo sich ein Fotografen-Kollege einen derart heftigen Sonnenbrand geholt hatte, dass sich Ron Harris (VNV Nation) mit einem Grinsen bei ihm erkundigte, ob er denn kein Geld für Sonnencreme hätte. ;-)
Anbetrachts der unzähligen T-Shirts, Taschen und Aufkleber mit dem wohlbekannten Schriftzug „Sonne macht albern“ muss sich der Wettermann allerdings gedacht haben, dass Albernheit ja wohl nicht stilvoll für ein Festival der schwarzen Szene sein kann – und sorgte prompt dafür, dass angemessen dunkle Wolken am Horizont aufzogen. Kaum standen wir am Eingang, ging ein wahrer Wolkenbruch mit Platzregen, Hagel und Allem Drum und Dran los. Binnen Sekunden war alles durchnässt, und diverse elegante Gruftie-Damen glichen denn auf einmal eher begossenen Pudeln. Aber so etwas sind Festivalgänger ja gewohnt und davon lässt man sich die Laune nicht verderben. Im Laufe des Tages goss es zwar noch einige Male, aber größtenteils blieb es dann zum Glück doch trocken und so konnte man auch bequem auf den wieder getrockneten Stufen des Amphitheaters Platz nehmen und die hervorragende Sicht auf die Bühne genießen.
KLOQ
Um zwölf Uhr wurde selbige mit KLOQ vom ersten Act betreten, die mit ihrem Opener We’re just physical das Blackfield-Festival angemessen eröffneten. Die beiden Hits You never know und I never said schlossen sich an und so wusste die Formation um Oz Morsley (Empirion) die Anwesenden eindeutig zu begeistern.
Dadurch, dass der Bass nicht nur den Rhythmus spielt, sondern auch einige der Melodielinien, wirkt die Musik sehr kraftvoll und mitreißend.
Ein gelungener Auftakt!
Staubkind
Weiter ging es mit Staubkind.
Frontmann Louis Manke, den Mann mit den irgendwie wunderbar traurigen Augen, kennt man bereits von Terminal Choice her.
Nach dem Intro spielte man zunächst Halt mich, Königin und Viel mehr, ehe schließlich mit Dein Engel mein persönlicher Favorit zum Besten gegeben wurde. Dass Louis denn fesstellte, leider „einen Gelsenkirchener Frosch im Hals“ zu haben, tat der Qualität der Songs keinen Abbruch, und ich war sicherlich nicht die Einzige, die es bedauerte, als sich die Band nach einer halben Stunde Spielzeit mit Mein Herz verabschiedete.
Destroid
Als nächstes stand harter Industrial made by Destroid auf dem Programm, und viele im Publikum feierten während der Show von Daniel Myer (Haujobb) und Ribi sichtlich ab. Eröffnet wurde der Auftritt von Soul Asylum, gefolgt von Birds of Prey. Nach dem dritten Song, Revolution, legte ich dennoch erst einmal einen Bummel zu den Merch-Ständen ein.
Vom Schulterdrachen über gothische Wohnungseinrichtung und natürlich Kleidung wurde so ziemlich alles geboten, was das schwarze Herz erfreut. Und auch der Magen sollte selbstverständlich nicht zu kurz kommen.
Übrigens hörte man die Musik dank der Akustik auf dem gesamten Festivalgelände, sodass man beruhigt shoppen oder etwas essen gehen konnte, ohne einen Song zu verpassen. Selbst das “stille Örtchen” war nicht ganz so still, sondern wackelte dank der Bässe heftigst mit. ;-)
fetisch:Mensch
Als nächstes stand ein Künstler auf dem Programm, dessen Auftritt für mich einer der Höhepunkte des Festivals werden sollte: Oswald Henke. Als Nachfolger von Goethes Erben, Artwork und Erblast hat er mit fetisch:Mensch nun ein neues Projekt ins Leben gerufen. fetisch:Mensch, das ist eine Performance für den Augenblick, kein „akustischer Bildschirmschoner“. fetisch:Mensch lebt genau in dem Augenblick der Aufführung, und so soll der Zuhörer sich ganz diesem Moment hingeben.
Textlich wieder gewohnt genial, und wie Oswald seine Texte rezitiert, singt, spricht – einfach nur faszinierend und fesselnd. Mal sehr leise, zusammengekauert, um dann plötzlich aufzuspringen und mit wie wahnsinnig blickenden Augen zu schreien - hier wird gelebt und gefühlt, zu einhundert Prozent.
Narbengarten, Nicht heute aber morgen, Zwischenseelenträume, … jeder Song für sich ein Juwel. Dem Winter vorgegriffen wurde dann schließlich mit dem Stück Schwarzer Schnee. “Schwarzer Schnee – weißer Schnee – schwarzer Schnee…”
Großartig!
End of Green
Um kurz nach halb vier war es dann soweit, dass die Stuttgarter Goth Rocker/Metaller von End Of Green die Bühne betraten. Passend zum Bandnamen, der für das Ende der Hoffnung steht (deren Farbe ja bekanntlich grün ist), trug Sänger Michael Huber aka Michelle Darkness schwarz geschminkte Augen und sorgte für angemessen depressives Look & Feel, auch wenn währenddessen die Sonne von einem strahlend blauen Himmel schien. ;-)
Obwohl der Sound von End Of Green nicht so ganz mein Fall ist, fand er im Publikum doch recht viel Anklang und so bewiesen die Stuttgarter, dass sie eindeutig das Zeug zu einer guten Live-Band haben.
Rotersand
Weiter ging es mit Rotersand, für die der Auftritt ein Heimspiel darstellte – man stammt ja aus Gelsenkirchen.
„Wir sind zu Hause, Mama!“, brüllte also ein begeisterer Rasc, und nicht minder begeistert jubelten die Anwesenden ihm zu. Bei diesem feinen Future Pop / Industrial Pop kann man die Beine nur schwer stillhalten, und so verwandelte sich der Bereich vor der Bühne quasi in eine Tanzfläche.
Los ging es mit der Electronic World Transmission, gefolgt von Hits wie Almost Violent, Lost oder I cry.
Zeraphine
Sven Friedrich stand bereits im Vorjahr auf den Brettern der Bühne des Blackfield-Festivals, damals mit seinem Projekt Solar Fake. Heuer war er denn mit Zeraphine zu Gast.
Bis es soweit war, sollte es jedoch noch etwas dauern, da sich die Umbauten vor dem Auftritt in die Länge zogen – „Technik, die begeistert…“, konstatierte Sven mit einem Grummeln. Und weil das beim Soundcheck übliche „eins, zwo“ und Konsorten für das Publikum nicht gerade spannend sind, gab man denn stattdessen eine wunderschöne Unplugged-Version von What a wonderful World zum Besten. Applaus!
Los ging es denn mit Die Macht in Dir, ein Stück des zuletzt erschienenen Albums “Still”. No more doubts und Licht schlossen sich an, ehe schließlich der Kracher Be my Rain gespielt wurde. Hier taute das Publikum endlich so richtig auf!
Sven durchquerte in alter Manier pausenlos die gesamte Bühne, was im Fotograben für viel kollektives Objektiv-Hin-und-Her-Geschwenke sorgte. ;-)
Mit I will be there und Louisa präsentierten Zeraphine gleich zwei neue Stücke, die beide sehr gut ankamen. Der Kreis schloss sich, indem sie sich mit den zwei Songs Ohne Dich und Die Wirklichkeit ihres allerersten Albums “Kalte Sonne” verabschiedeten.
Project Pitchfork
Project Pitchfork-Frontmann Peter Spilles, auf dem diesjährigen Blackfield-Festival gleich zweimal vertreten, am Sonntag nämlich noch mit seinem Projekt Santa Hates You, zeigte sich traditionell mit einem blauen Strich quer übers Gesicht. Eine Mischung aus Schminke und Dreck sorgte zusätzlich bei sämtlichen Bandmitgliedern für einen Look, als seien sie gerade vom Cover ihrer aktuellen Platte “Dream, Tireasias!” gehüpft. Auch einen dekorativen eigenen Mikroständer hatten die Pitchies im Gepäck, und so gab’s hier nicht nur was für die Ohren, sondern auch für’s Auge.
Gespielt wurden hauptsächlich ältere Songs, und merkwürdigerweise blieb der Tiresias-Opener If I could das einzige Stück dieses Albums.
Diary Of Dreams
Die charismatische Formation um Mastermind Adrian Hates live zu erleben, ist immer wieder ein ganz besonderes Erlebnis. So blickte ich dem Auftritt von Diary Of Dreams erwartungsvoll entgegen und wurde auch nicht enttäuscht.
Ob melancholisch, düster, tanzbar, dramatisch, zart oder agressiv – bei aller Bandbreite an dargestellten menschlichen Empfindungen sind die Songs immer kraftvoll und sehr atmosphärisch, schlagen den Zuhörer in ihren Bann, faszinieren.
Das im März erschienene neuste Werk, “if”, wurde hier nun ausgiebig geehrt, indem man ganze fünf ihm entnommene Songs spielte – immerhin die Hälfte der Setlist! Und wie sich im Gespräch herausstellte, wussten diese Stücke auch diejenigen im Publikum zu begeistern, die das Album bis dato noch nicht kannten.
Das Einzige, was ich etwas schade fand, waren die Ausleitungen der einzelnen Stücke, die irgendwie nicht ganz rund klangen – aber nichtsdestotrotz war die Show wunderbar und zweifelsohne eine der besten des gesamten Festivals!
VNV Nation
Dass VNV Nation auf dem Blackfield-Festival 2009 einer der Headliner sein würde, das wurde bereits letztes Jahr verkündet und mit großem Jubel seitens der Fans quittiert. So betrat nun also der letzte Act des Tages die Bühne.
Während auf der Leinwand im Hintergrund verschiedene Bilder projiziert wurden, unter anderem das Cover des gerade erst erschienen Albums „Of Faith, Power and Glory“, erklang mit Pro Victoria zunächst dessen Opener. Im Laufe des Abend griff man denn aber tief in die Hitkiste und reihte ein großartiges Stück an das nächste: Epicentre, Further, Homeward, Nemesis, Chrome, … geil, geil, geil! :o)
Der sympathische Ronan Harris begeisterte also, wie zu erwarten, die Massen und lud dazu ein, diese Begeisterung auch lautstark zu verkünden: “When you scream, let the neighbours know that you’re in town!”
Gänsehaut kam auf bei Illusion: “… the world is just illusion / trying to change you…”
Mittlerweile hatte die Dämmerung eingesetzt und trug das Ihre zur Atmosphäre des Auftritts bei.
So sorgten VNV Nation mit ihrer prallen Setlist, gekrönt von Perpetual als Zugabe, für einen gebührenden Abschluss dieses ersten Festivaltages.
An dieser Stelle ein Danke an Ragnar, der sich meiner erbarmte und mir meine Fotoausrüstung abnahm, sodass ich nochmal richtig abtanzen konnte. :o)
Nachdem Ron Harris und die Seinen die Bühne geräumt hatten, wurde hier nun auf einer großflächigen Videoprojektion das neue Album von ASP vorgestellt. Herrn Asp samt Band würde es denn am nächsten Abend zu hören & sehen geben.
Für die Nimmersatten gab es im Übrigen noch eine Aftershowparty.





27. Juni 2009 um 10:16 Uhr
Huhu. Das Festival war wirklich genial.
Meine Highlights am Samstag waren eindeutig Staubkind, Rotersand, Zeraphine und VNV Nation. Wobei letztere bei mir nun einen besonderen Stein im Brett haben. Eine – wie ich finde – wahnsinnig tolle Band.
2 kleine Anmerkungen: Der Song von Staubkind heißt “Dein Engel schweigt”. Und Sven Friedrich war letztes Jahr auch noch mit den Dreadful Shadows anwesend.
28. Juni 2009 um 09:25 Uhr
Man, ich wäre so gerne dabei gewesen. Und Illusion hätte ich gerne live mitgehört..
Allerdings heißt er Ronan, und nicht Ron =)
29. Juni 2009 um 09:25 Uhr
Wow wow wow. Rotersand und VNV waren meine Highlights, wenige andere Bands können mich so mitreissen. Insgesmat ein super Festival. Und beide Bands bringen was neues raus in diesem Jahr…
29. Januar 2010 um 17:52 Uhr
festival super, leute super, geile bands, aber solche bilder hab ich leider nciht;)
darf man deinen fotografen mal ausleihen?:)
29. Januar 2010 um 18:23 Uhr
@ simulu:
mein Fotograf bin ich selber ;)
1. Februar 2010 um 11:53 Uhr
sehr professionell;) welche cam benutz du denn?
ich hab ja schon mal die canon 1000d, welches zubehör würdest du mir empfehlen?
Du hast eine tolle künstlerische Sicht!!
WEiter so:)
Grüßle