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Amphi-Festival 2011

Im siebten Jahr seines Bestehens darf man das Amphi-Festival schon fast als schwarz-kölsche Tradition ansehen: rund 16.000 Besucher strömten auch an diesem Wochenende wieder zum Tanzbrunnen.

Samstag, 16. Juli 2011

Die Wetterprognose für das Amphi war nicht gerade ermutigend, als wir uns auf den Weg machten, um uns dem größten schwarzen Event in Köln anzuschließen. Aber das ist man ja von den Jahren zuvor gewohnt und regelmäßig verwöhnt uns das Amphi mit geradezu eifeleskem Wetter: vier Jahreszeiten an einem Tag!

[X]-RX @ Amphi-Festival 2011

Nachdem wir uns am Eingang mit einem kleinen Täfelchen Amphi-Schokolade beschenken ließen, ging es mit dem Opener [X]-RX los, die mit harten Elekrtoklängen vornehmlich die bunt leuchtende Fraktion der Festivalgäste begrüßten und zum Tanzen brachten. Da hieß es dann zum ersten Mal, vor fliegenden Ellbogen und Knien in Deckung gehen, und insbesondere der Song Virus Infect wusste sich mit einem hartnäckigen Ohrwurm festzusetzen.

Wie breit aufgestellt, wie polarisierend und wie divergent die Szene sich derzeit darstellt, wurde schon mit der zweiten Band deutlich: Staubkind betraten die Bühne und gaben mit Stücken wie Dein Engel schweigt oder Zu weit ihr eher nachdenklich-stilles Repertoire zum Besten. Im Staatenhaus legte die österreichische Formation mind.in.a.box los, gefolgt von Winterkälte, Frozen Plasma und Grendel.

Nicht an ihre großen Konzerte früherer Tage anknüpfen konnten die Elektropopper von Melotron, die besonders ihre ältere Fangemeide etwas enttäuschten – ein doch eher mäßiger Auftritt auf der Mainstage.

Anschließend ging es einmal rund um das Gelände, es lockten die zahlreichen Händler und Buden, und wir waren sehr gespannt auf die erweiterte Händlermeile im Staatenhaus. Ein gelungener Ansatz, wie ich meine, denn hier konnte viel Raum gewonnen werden und auch das Café mit seinen 800 Sitzplätzen kam gut an.

Dr. Mark Benecke @ Amphi 2011

Für mich ging es dann weiter mit Zeraphine, ein Muss für jeden Liebhaber des DarkRock und auch wenn Sven Friedrich anfangs mit der Technik zu kämpfen hatte – was einen erfahrenen Frontmann aber nicht aus dem Konzept bringt – war es wieder mal ein Gig wie aus dem Bilderbuch!
Währenddessen wohnte neontrauma dem Infotainment-Vortrag von “Dr. Made” aka Dr. Mark Benecke im Theater bei, der dem geneigten Publikum einen unterhaltsamen Einblick in die Welt der Kriminalbiologie lieferte.

Samsas Traum @ Amphi-Festival 2011

Samsas Traum durften dieses Jahr auf der Mainstage spielen, und der Herr Kaschte beglückte die Massen mit etlichen CDs und Shirts, die er zwischen den Songs verschenkte. Die Setlist enthielt diverse bewährte Klassiker: Ein Name im Kristall, F. M. N. F. / Nikotin und Meskalin, Für immer, Die Zärtlichkeit der Verdammten, Stromausfall im Herzspital, Endstation.Eden, Ein Fötus wie du und natürlich die Kugel im Gesicht. Mit Das vor allen Spiegeln und Heiliges Herz durften auch neuere Werke nicht fehlen.

Nächster Punkt auf meiner Liste war das Konzert von Persephone im Theater. Die bekannt hervorragende Stimme von Sonja Kraushofer (L’Âme Immortelle) solo in einem klassischen Arrangement? Das wollte ich mir nicht entgehen lassen. Und ich wurde nicht enttäuscht, es gab intensiv vorgetragenes, ja gelebtes Musiktheater höchster Güte. Wenn ihr je die Gelegenheit bekommt: anschauen!

Die Krupps @ Amphi-Festival 2011

Am Abend wollte ich mir dann einmal Die Krupps anschauen, ein Name, der immer wieder auftaucht und seit Jahrzehnten die Elektro und Industrialszene mitprägt, die ich aber bisher noch nie live gesehen hatte. Entsprechend voll war es vor der Mainstage, und das Publikum ging begeistert mit in 70 energiegeladenen Minuten, die sich auch von dem immer heftiger werdenden Regen nicht ausbremsen ließen.

Im Staatenhaus tobten sich dann Suicide Commando aus und brachten die Halle zum Kochen.

Deine Lakaien @ Amphi-Festival 2011

Schlusspunkt des ersten Tages bildeten Deine Lakaien, die mit vielen ihrer Klassiker wie Over and done oder Into my Arms ihr treues Publikum zu wärmen suchten. Doch nach 10 Stunden im Freien und etlichen unfreiwilligen Duschen, nass bis auf die Knochen und durchgefroren im jetzt doch sehr heftigen Dauerregen, traten wir gegen Mitte des Konzertes den Rückzug an und verzichteten auch darauf, uns für Hocico nochmal ins Staatenhaus zu kämpfen. Schließlich würden am nächsten Tag noch ein Haufen Arbeit und reichlich spannende Bands auf die BlackLive-Redaktion warten. Gute Nacht und bis morgen…

Sonntag, 17. Juli 2011

Impressionen | Amphi-Festival 2011

Der Sonntagmorgen begrüßte uns mit dunklen Wolken, aus denen ein endloser Strom Regen fiel. Schön, dachten wir uns, dann ist die Klamottenauswahl einfacher: norddeutscher Gummi! Erstaunlicherweise sprach die Wetterprognose des WDR von trockenen 16 Grad für den Tag? Aber es sollte stimmen, der Tag wurde kühl, aber trocken. Also auf ins Getümmel und die Funkhausgruppe anschauen. Besetzt mit Mitgliedern von Welle:Erdball, Sonnenbrandt, Hertzinfarkt und Die Perlen, gab es Pop à la Neue Deutsche Welle, der vom Publikum begeistert aufgenommen wurde. Die technischen Probleme am Ende wussten Honey und Plastique mit humoristischen Einlagen gekonnt zu überbrücken, man kann ja auch ohne Musik das Welle-typische Wurfmaterial ins Publikum befördern. Einen Volltreffer landete Honey dann mit der Frage: “Wieso eigentlich Neustart, wenn das hier alles live ist? Ach so, das ist ein Apple…”

Diorama @ Amphi-Festival 2011

Nachdem Ordo Rosarius Equilibrio im Staatenhaus mit technischen Schwierigkeiten zu kämpfen hatten, konnten die darauf folgenden Jungs von Diorama _fast pünktlich loslegen. Schade, dass ich durch diese Verzögerung sowie durch die Tatsache, dass die Spielzeiten sich ohnehin mit denen der Dreadful Shadows auf der Mainstage überschnitt, nur einen Teil des Auftritts sehen konnte. Die Stimmung war auf jeden Fall, in bester Diorama-Manier, bei Songs wie den Prozac Junkies grandios!

Weiter ging es für mich mit meinem persönlichen Höhepunkt des Wochenendes, ja eigentlich meines Konzertbesucherlebens, denn erstmals hatte ich die Gelegenheit, die Band live zu sehen, durch die ich in den 90ern zur schwarzen Szene fand: Dreadful Shadows!

Dreadful Shadows @ Amphi-Festival 2011

Mit großer Spannung mittig vor die Bühne gerobbt, hoffte ich inständig, so viele Songs wie möglich aus den beiden – meiner Meinung nach – stärksten Alben der Band, Beyond the Maze und Buried again, zu Gehör zu bekommen. Und als es dann schon beim Soundcheck leise im Hintergrund den Streicherpart von Chains zu hören gab, war die erste Gänsehaut perfekt. Tatsächlich ging es auch mit diesem Kracher los, gefolgt von Burning the shrouds, Wahnsinn, besser hätte ich es mir nicht wünschen können. Weiter ging die musikalische Reise vorwärts und rückwärts durch die allzu kurze Bandgeschichte, Stücke von der Estrangement und der The Cycle kamen ebenfalls nicht zu kurz. Darf man hoffen, dass Sven Friedrich und Co. angesichts der immer noch anhaltenden Fantreue für diese Band irgendwann einmal ein neues Album aufnehmen?

Clan Of Xymox @ Amphi-Festival 2011

Anschließend machte ich mich auf ins Staatenhaus, wieder einmal eine mir bis dato nur dem Namen nach geläufigen Band kennen zu lernen: Clan of Xymox. Um es vorweg zu nehmen – es wurde eines jener Konzerte, die einen ein bisschen ratlos zurück lassen: wie konnte diese Band nur so lange an mir vorbeigehen? Zwar hatte ich im Vorfeld des Amphi auf der MySpace-Seite der Band mal in ein paar Stücke reingehört, und gedacht, hey, nicht schlecht. Aber was diese Combo an Atmospäre in die Halle zauberte, war beeindruckend. Es war ein bisschen so, als hätten sich The Sisters of Mercy und Camouflage zusammengetan. Eine Lücke in meiner Musiksammlung, die schnellstens gefüllt werden will – angesichts der Fülle von Releases seit der Bandgründung 1994 sicher kein leichtes Unterfangen.

Agonoize @ Amphi-Festival 2011

Weiter ging es mit De/Vision auf der Mainstage.

Mit dem Stars Wars-Theme und einem die Bühne verhüllenden Tuch kündigte sich der Auftritt von Agonoize an, ehe denn es hieß: Vorhang auf für 50 Minuten Aggrotech – natürlich mit ordentlich Kunstblut. :o)

Staubkind @ Amphi-Festival 2011

Im Staatenhaus standen als nächstes Das Ich auf dem Programm – jedoch ohne den charismatischen Stefan Ackermann, der seit Wochen schwer krank ist. So unterstützten zahlreiche Gastauftritte die Show, unter anderem von Myk (The Fair Sex) und Vic Anselmo. Gute Besserung an Stefan!

Saltatio Mortis @ Amphi-Festival 2011

Mit Sprechchören vom Publikum gefordert wurden schon weit vor Konzertbeginn die Jungs von Saltatio Mortis. Und dass große Konzerte nur entstehen, wenn es ein Geben und Nehmen zwischen Band und Publikum gibt, das verkündete Alea der Bescheidene schon gleich zu Beginn: “Das wird anstrengend für euch!” Unglaublich, wie fit dieser Mann ist, denn eine Stunde singend, springend, tanzend und auf dem Publikum surfend weder die Stimme zu verlieren noch die Töne zu verfehlen, ist eine Leistung, die auch Marathonläufer erblassen lässt. Das Publikum dankte es jedenfalls mit vollem Einsatz, und so manche Arme waren nach dem Konzert sehr sehr lahm und brauchten eine Pause. Auf jeden Fall schürte dieser Auftritt die Vorfreude auf das neue Album Sturm aufs Paradies, das am 2. September erscheinen soll und aus dem es schon mit der Geschichte von Till Eulenspiegel einen ersten hitverdächtigen Song zu hören gab.

Nitzer Ebb @ Amphi-Festival 2011

Im Staatenhaus traten Feindflug auf und bedienten mit ihrer Show à la II. Weltkrieg vornehmlich den uniformierten Teil der Anwesenden.

Nach einer Erholungspause in der Strandbar während der Performance von Nitzer Ebb ging es dann zum Abschluss des Tages ein letztes Mal vor die Mainstage, um mit Subway to Sally den Abschluss des Amphi 2011 zu feiern. Natürlich skandierte das Publikum schon vorab einmal Julia und die Räuber – manchmal frage ich mich, ob Eric Fish sich wünscht, diesen Song nie geschrieben zu haben oder ob er ihn immer noch lieben kann? Denn Subway to Sally haben viel mehr zu bieten.

Subway To Sally @ Amphi-Festival 2011

Mit Henkersbraut, Feuerkind und Knochenschiff wurde das gesamte Gelände binnen Minuten, ja Sekunden zum Kochen gebracht. Besonders gefreut hat mich, dass es das wunderschöne Maria und Sag dem Teufel aus der Foppt den Dämon zu hören gab – mein persönliches Lieblingsalbum. Mit dem letzten Lied der Zugabe beantwortete Eric dann noch meine eingangs aufgeworfene Frage: es gab Julia und die Räuber! Also mag es die Band doch noch spielen :o)
Als das Publikum vehement weitere Zugaben forderte, kam Eric noch einmal auf die Bühne um fast entschuldigend zu erklären, wie es in Köln derzeit um den Umgang mit Liveacts steht. Mit 22 Uhr steht eine absolute Deadline im Sinne des Anwohnerschutzes, an der niemand vorbei kommt. Auch eine Band wie Bap musste bei ihrem Auftritt auf der Domplatte vor ein paar Wochen pünktlich um 22 Uhr die Instrumente fallen lassen, um nicht gefahr zu laufen, von Anwohnern in Grund und Boden geklagt zu werden. Und im Sinne des Fortbestehens des Amphi ist es unumgänglich, diese Regeln einzuhalten.

Vielleicht findet sich ja mit den Jahren einmal ein Ort im Kölner Umland, wo länger gefeiert werden kann, denn seit seiner Gründung stöhnt das Amphi ja unter Platznot am Tanzbrunnen.
Mit der Ankündigung von The Sisters of Mercy für das kommende Jahr wird diese bestimmt nicht weniger…

In diesem Sinne, danke an alle, die mitgefeiert haben, und wir sehen uns im nächsten Jahr!

In eigener Sache

Das Festival vor der Haustür, kurze Wege, bequeme Anfahrt mit der Straßenbahn, das macht das Amphi zu einem festen Bestandteil meines Jahres.
Die Bandauswahl ist ausgeprochen breit angelegt, und bedient viele Facetten der Scene.
Wie alles im Leben, hat das Vor-und Nachteile.

Deine Lakaien @ Amphi-Festival 2011

Immerhin findet so immer wieder ein nahezu kompletter Publikumswechsel vor der Bühne statt. Die Platzprobleme auf dem Gelände klangen ja schon im Festivalbericht an. Am schlimmsten ist das im Bereich rund um das Theater. Ungünstigstenfalls überschneiden sich hier etliche Schlangen: Anstehen am Wasserspender, Anstehen am Eingang zum Theater, Anstehen an den Toilette und der Strom der Leute, die gerade das Gelände betreten oder verlassen, all das bildet ein wenig erbauliches Knäuel. Ohnehin sind zwei Wasserspender für 16.000 Gäste ein wenig – sagen wir mal – unterdimensioniert. Wie jedes Jahr, sind die Getränkepreise ein Ärgernis. Auch wenn der Amphiveranstalter Jahr für Jahr betont, dass er keinen Einfluss auf die Preise habe, da die Cateringhoheit bei den Rheinparkhallen läge. Ich frage mich, wieviel Einfluss kann man haben, wenn man ein zweitägiges Event mit so vielen Tausend Gästen als Faustpfand hat? Schließlich ist das Amphi ja nicht mit dem Tanzbrunnen verheiratet.

Andere Dinge sind schwerer zu ertragen, und das ist auch ein Stückweit der Bandauswahl durch den Veranstalter geschuldet. Wie um alles in der Welt kann es sein, dass im Staatenhaus an offiziellen Merchandiseständen T-Shirts mit der Aufschrift “Weltmacht oder Niedergang” verkauft werden? Ehrlich, da wird mir schlecht. Wie war das noch? Das Cover der Erstausgabe dieses Machwerkes zierte damals eine brennende Synagoge. Noch Fragen? Dies ist eine Facette der Szene, der wir keinen Raum, keine Bühne geben sollten. All diese Uniformen und Abzeichen sind mir zutiefst suspekt.

Fotogalerie

Fotos: Anne Mühlbauer aka neontrauma

2 Kommentare

  1. Also mir hat Subway to Sally sehr gefallen. Die anderen Auftritte die ich sah, waren aber auch gut. Allgemein find ich das Amphi-Festival wirklich gelungen und ich freu mich auf nächstes Jahr!

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