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Konzertberichte

Amphi-Festival 2009: Samstag, 18. Juli

Die komplette Fotogalerie findet ihr hier!

Bereits zum fünften Mal fand heuer das Amphi-Festival statt: am Wochenende des 18. und 19. Juli 2009, mittlerweile das vierte Jahr in Folge auf dem Gelände des Kölner Tanzbrunnens. Herzlichen Glückwunsch zu diesem Jubiläum!

Schon am Freitagnachmittag und -abend waren diverse Schwarzkittel in die Rheinmetropole gepilgert, um auf dem Campinggelände im Jugendpark ihre Gruft auszuheben ihr Zelt aufzubauen. Zum Einstimmen bot sich denn die offizielle Amphi-Festival-Pre-Party im Alten Wartesaal an.

Impressionen Amphi 2009

Wie auch schon beim Gelsenkirchener Blackfield vor einigen Wochen sollte leider auch dem diesjährigen Amphi-Festival kein erstklassiges Wetter beschert sein. Also wasserfesten Kajal besorgt und beim Outfit sowohl sommerliche Temperaturen, als auch mögliche Regengüsse bedacht…
A propos Outfit: unzählige Festivalbesucher hatten sich wirklich bemerkenswert aufwendig und mit viel Liebe zum Detail gestylt, sodass es jede Menge zu sehen gab. Auffallend war aber auch die große Anzahl an neonbunten Cybergoths, die in der Szene ja immer wieder für einige Kontroversen sorgen (so denn auch eine T-Shirt-Aufschrift: “dumme Elektros tanzen nicht. Sie leuchten.”). Schade, dass es da an der vielgepriesenen Toleranz offensichtlich mangelt.

Impressionen Amphi 2009

Und wie in jedem Jahr fiel mir auch dieses Jahr die Entscheidung für eine der beiden Bühnen nie ganz leicht, überschnitten sich die Acts auf der Mainstage und in der Rheinparkhalle (die dieses Jahr erstmalig die doch recht beengten Räumlichkeiten des Theaters als Bühne ablöste) doch jeweils. Im Theater wurden unterdessen zahlreiche interessante Filmvorführungen geboten, sodass ich mir mehr als einmal wünschte, mich dreiteilen zu können. :o)

Coppelius

Nachdem sich die Pforten um 10 Uhr geöffnet hatten und ausreichend Zeit für’s Bändchenabholen und Geplauder mit befreundeten Festivalgängern blieb, ging es um 12 Uhr los mit dem ersten Act des Tages: Coppelius auf der Mainstage.

Coppelius @ Amphi 2009

Man nehme ein Cello, zwei Klarinetten, einen Kontrabass sowie ein Schlagzeug, dazu sechs in elegante Gehröcke und Zylinder gewandete Männerstimmen – und eine ordentliche Menge Krawumm. Was bei dieser Mischung herauskommt, ist ebenso skurril und ungewöhnlich wie großartig. Die Bezeichnung “Kammermusik-Metal” trifft es ganz gut und vermittelt auch denjenigen, die sich diesen Auftritt- warum auch immer – haben entgehen lassen, einen Eindruck der coppelianischen Klangeskunst. :o)

Coppelius @ Amphi 2009

Zunächst wurde die Bühne von Butler Bastille betreten, der die Anwesenden formvollendet grüßte und die bereitstehenden Instrumente mit einem großen Staubwedel von etwaigen Staubkörnchen befreite. Alsbald gesellten sich die fünf Herren Max Copella, Comte Caspar, Nobusama, Graf Lindorf und Sissy Voss hinzu, um im Publikum glückselige Hysterie zu verbreiten. Das gelang, denn gekonnt ist gekonnt – und schließlich darf man ja auch auf eine äußerst langjährige Erfahrung zurückblicken, denn Legenden nach existieren Coppelius doch bereits seit nicht weniger als zweihundert Jahren. ;o)

Einen Besuch auf der wunderschön gestalteten Webseite www.coppelius.eu kann man übrigens nur empfehlen.

In der Rheinparkhalle zelebrierten derweil die Elektrojünger den Festivalbeginn mit Auto-Auto und Jäger90.

Mantus

Vier lange Jahre hatten die Fans von Mantus auf neues Material zu warten, ehe im Januar diesen Jahres schließlich soweit war: mit der Scheibe “Requiem” meldeten sich die Gothic Rocker endlich zurück. Im Mai folgte darüber hinaus mit “Königreich der Angst” eine weitere EP.

Mantus @ Amphi 2009

Und auf dem Amphi-Festival bot sich heute nun eine ganz besondere Premiere: der erste Live-Auftritt überhaupt in der Geschichte der 1997 gegründeten, 2005 aufgelösten und 2008 wiedervereinten Band!

Mantus spielten eine (schwarz-)bunte Auswahl an Stücken aus ihrem Repertoire, bei dem natürlich auch der Hit Kleiner Engel flügellos nicht fehlen durfte. Stellenweise sind mir die Songs etwas zu schwülstig, aber im Großen und Ganzen doch ein netter Auftritt des Geschwisterduos Martin und Tina “Thalia” Schindler.

Solar Fake

Dass Sven Friedrich kein Mensch ist, der sich auf seinen Lorbeeren ausruht oder auf der faulen Haut liegt, das zeigt schon die beträchtliche Anzahl seiner Projekte: nach den legendären Dreadful Shadows rockt er außerdem mit der nicht weniger erfolgreichen Band Zeraphine – und auch die Elektronik kommt in seinem Schaffen nicht zu kurz. „Seit vielen Jahren habe ich davon geträumt, Musik zu machen, die ausschließlich elektronisch erzeugt wird“, so kommentiert er Solar Fake.

Und Solar Fake braucht sich hinter den Erfolgen der Dreadful Shadows und Zeraphine weiß Goth nicht zu verstecken: das machte die Begeisterung der anwesenden Fans deutlich!

Leider konnte ich dem Auftritt nicht ganz bis zum Schluss beiwohnen, alldieweil ich mich um kurz nach zwei auf den Weg in die Rheinparkhalle zu Xotox machte.

Xotox

Xotox @ Amphi 2009

In der Halle angekommen, erwartete mich zuerst einmal eins: Dunkelheit. Das sollte denn auch bei den nachfolgenden Projekten nicht viel anders werden, sodass die bunten Knicklichter und sonstigen Neonleuchten der Cyberfraktion hier bestens zur Geltung kamen. Generell stand die Rheinparkhalle heute ganz im Zeichen des Elektro.

Als “Industrial for hyperactive people” bezeichnet Xotox-Mastermind Andreas Davids sein Projekt, das seit der Gründung vor nunmehr elf jahren zahlreiche Clubkracher wie Eisenkiller, Nothing oder Null verbuchen kann.

Xotox @ Amphi 2009

Jeweils ausgestattet mit Mundschutz (den man übrigens in allen Formen und Farben bei zahlreichen Festivalgängern sah – Angst vor der Schweinegrippe? ;) ) standen Andreas und seine Live-Untertützung hinter ihren Pulten, von denen sie sich denn auch nicht wegbewegten. Das wurde allerdings ausgeglichen durch die Anwesenden vor der Bühne, die die Halle teilweise in einen Dancefloor verwandelten.

Xotox @ Amphi 2009

 

The Birthday Massacre

Während Xotox in der Rheinparkhalle noch ihren letzten Song anstimmten, legten auf der Mainstage bereits die Kanadier von The Birthday Massacre los.

The Birthday Massacre @ Amphi 2009

Ihrem Anspruch, ein „musikalisch/visuelles Projekt“ zu sein mit dem Ziel, ihre Musik „in einem Gesamtkonzept aus Mode, Bildern und Performance zu integrieren“, wurden sie auch bei diesem Auftritt einmal mehr gerecht.

Rainbow an der Gitarre erschien fast so farbenprächtig, wie es sein Name vermuten lässt: das eine Auge stark lila umrandet, ein schiefes Grinsen aus einem extrem geschminkten Mundwinkel (was fast schon an den Joker denken ließ), dazu – im gleichen Stil wie alle anderen auch – ein schwarzes Hemd mit diversen Abzeichen und Aufnähern.

The Birthday Massacre @ Amphi 2009

O-En bewies, dass ein Keyboard durchaus nicht immer langweiligerweise irgendwo aufliegen muss, sondern dass man damit auch prima spielen kann, wenn man es in der Vertikalen hält und damit allerhand Verrenkungen anstellt. :o)

Sängerin Chibi legte ein energiegeladenes Auftreten hin und bezog ihre Fans immer wieder in die Show mit ein, indem sie den direkten Blickkontakt zu ihnen suchte.

Fast eine Stunde lang rockten The Birthday Massacre ab – nur auf den Superhit Happy Birthday, den ich gerne einmal live gehört hätte, wartete ich dann leider vergebens.

Eisbrecher

Wie jeder Auftritt auf der Mainstage wurde auch derjenige von Eisbrecher angekündigt von Honey (Welle: Erdball), der hier die Acts moderierte. Und hier konnte er es sich nicht verkneifen, den grandiosen Sieg von Welle: Erdball gegen Eisbrecher beim Kickern zu verkünden. ;)

Eisbrecher @ Amphi 2009

Käpt’n Alexx und die Seinen nahmens’s sportlich und ließen sich den Spaß bei ihrem Auftritt nicht nehmen. An den Opener Kann denn Liebe Sünde sein? schloss sich ein knappes Dutzend Songs mit ordentlichem Härtefaktor an, darunter die Hits Schwarze Witwe, Leider, This is Deutsch oder Angst. Yay!

Quasi zeitgleich traten in der Rheinparkhalle Absolute Body Control auf.

Leæther Strip

Leæther Strip @ Amphi 2009

Elektronische Klänge, frisch importiert aus Dänemark: das sind Leæther Strip. Wobei “frisch” nicht so ganz stimmt, gibt es das Projekt doch seit nunmehr über 20 Jahren und gilt als Begründer eine ganzen Genres.

Claus Larsen zeigte derweil keine Spur von Alter und brachte die Fans während des einstündigen Auftritts souverän zum Tanzen.

 

Agonoize

UnzUnzUnz in Schwarz – das sind Agonoize. ;o)

Agonoize @ Amphi 2009

Tanzbar mag ein Großteil der Songs sein, auch wenn man sich über den Gehalt deren Texte streiten kann. Wer jetzt ab halb sieben in der brechend vollen Rheinparkhalle war, den störte Letzteres aber nicht weiter.

Sänger Chris variierte die bereits angesprochene Mundschutz-Thematik und trug einen Maulkorb aus Metall. Was die Lichteffekte anbelangt, so setzte man vorwiegend auf die Wirkung von Flashlights, sodass man entweder nichts sah, weil es zu dunkel war, oder man sah nichts, weil man geblendet wurde. Auch gut.

Als ich mich dann wieder auf den Weg zur Mainstage machte, um den Auftritt von Covenant nicht zu verpassen, war ich denn auch dankbar für die Frischluft.

Covenant

Denn jetzt, um kurz vor sieben, war es denn soweit, dass einer der für mich großartigsten Acts des Festivals auf der Bühne erschien: Covenant!
Und auch Petrus schien sich hierauf gefreut zu haben, denn jetzt kam endlich mal die Sonne zum Vorschein. :)

Covenant @ Amphi 2009

Über eine Stunde voll feinstem Elektro wurde den Fans hier geboten, und wie bereits beim Amphi-Festival 2008 wusste die schwedische Formation um den sympathischen Sänger Eskil Simonsson, der einmal mehr in hellem Anzug und mit ebensolchem Hut bekleidet war, zu begeistern.

Neben altbekannten und geliebten Hits wie Bullet, Call the Ships to Port oder Ritual Noise gab es denn auch zwei neue Songs zu hören.

 

Feindflug

In der Rheinparkhalle folgte mit Feindflug der Auftritt einer Band, deren politische Gesinnung nicht zuletzt aufgrund der immer wieder aufgegriffenen Thematik des II. Weltkrieges und dem militärischen Äußeren der Musiker und ihrer uniformierten Anhänger nicht ganz unumstritten ist. Zwar gaben Feindflug mehrere Statements ab, dass das Projekt kein faschistoides Gedankengut vertrete, sondern “vielmehr deutlich machen [will], dass gerade diese Epoche der Geschichte, den Beginn einer neuen technologischen Kriegsführung darstellt, in der das Individuum zum millionenfachen Opfer wurde/wird” – aber ob hier nicht doch eher mit Schlagworten und Symbolik kokettiert wird?

Feindflug @ Amphi 2009

So lief während der Show im Hintergrund der Bühne eine Videoprojektion mit Kriegsbildern, die Instrumente waren mit Tarnnetzen behängt und beim Outfit durften Gasmaske und Kopfbedeckung im Militärlook nicht fehlen.

Im Verlauf des Aufritts passierte es dann: von der Decke der löste sich auf einmal ein ungefähr zwei Quadratmeter großes Stück Putz und krachte herunter. Zum Glück ist niemandem dabei etwas passiert, aber die Halle musste nun natürlich erst einmal gesperrt werden.

Wie es mit dem Auftritt von Laibach aussah, der sich hier ja an Feindflug anschließen sollte, war zunächst ungewiss. Schließlich traten sie dann gegen Mitternacht mit rund zwei Stunden Verspätung im Theater auf und für den nächsten Tag wurde bekanntgegeben, dass die für die Rheinparkhalle anberaumten Konzerte ins Theater verlegt würden. Klasse, dass die Veranstalter so schnell eine Lösung gefunden haben und keiner der Auftritte abgesagt werden muss!

Fields of the Nephilim

Fields of the Nephilim @ Amphi 2009 Fields of the Nephilim @ Amphi 2009

 

Auf der Mainstage sorgten zunächst jedoch die Fields of the Nephilim als Headliner für jede Menge Jubel, vornehmlich unter der etwas älteren Generation.
Für die Ansage dieser Formation wählte Honey übrigens einen Freiwilligen aus dem Publikum aus, der die Bühne erklomm und die Fields ausgesprochen souverän ankündigte.

Der Auftritt der Fields war wie erwartet großartig, und dass nicht nur ich diesen Eindruck hatte, zeigten die Reaktionen der Fans sehr deutlich. Klasse! :o)

 

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3 Kommentare zu “Amphi-Festival 2009: Samstag, 18. Juli”

  1. [...] das Amphi möchte ich jetzt aber nicht berichten, erstens war ich nicht dabei und zweitens hat Anne von Black Live das schon viel besser erledigt. Auf der Suche nach Berichten über das Amphi bin ich aber über [...]

    meinte WDR Lokalzeit: Die Gothic-Familie – Spontis Weblog | 21. Juli 2009, 14:54
  2. war ein super abend! extrem fett!

    meinte Halle | 31. Januar 2010, 19:15
  3. Ich bin noch nie so gut aufgewacht wie bei Mono Inc. Die Band war echt der Hammer.

    meinte Sven | 23. Juli 2010, 10:15

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