Geusenfriedhof – Köln

verfasst am 26. November 2008
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| Rubrik: düstere Locations

Einen der schönsten Friedhöfe Kölns stellt der der Geusenfriedhof in Köln-Lindenthal dar: wenn man die Kerpener Straße einschlägt und an der Uni-Bibliothek vorbei läuft, entdeckt man an der Ecke Weyertal rechterhand diesen kleinen Friedhof mit seinen verwitterten, von Efeu berankten Grabsteinen.

Der Geusenfriedhof, der 1576 erstmals erwähnt wird, ist der älteste evangelische Friedhof im ganzen Rheinland.
Nach der Reformation durften die protestantischen Bürger Kölns, die hauptsächlich aus den Niederlanden als Glaubensflüchtlinge in die Stadt gekommen waren, ihre Toten nicht etwa auf den Kirchhöfen der einzelnen Pfarrkirchen beerdigen. Sie mussten stattdessen wie Arme, Fremde und Ehrlose (etwa Selbstmörder) auf dem Elendsfriedhof in der heutigen Altstadt-Süd begraben werden.
Nach einem Verbot dieser Regelung konnten die Protestanten den auf Grund einer Schenkung vor den Toren der Stadt errichteten separaten Geusenfriedhof nutzen.

Der Name “Geusen” leitet sich von dem französischen Wort gueux für Bettler ab, denn so nannte man die protestantischen Flüchtlinge aus den Niederlanden. Dabei waren diese längst nicht alle arm – so fanden unter anderem wohlhabende Künstler, Handwerker, Handelsleute und Rheinschiffer auf dem Geusenfriedhof ihre letzte Ruhe.
Noch bis 1829 wurden die Protestanten auf dem Geusenfriedhof beigesetzt, erst ab dann durften auch sie auf dem großen Melatenfriedhof bestattet werden.

Ursprünglich maß der Geusenfriedhof gut 7.000 Quadratmeter, 1902 erbaute man jedoch gegenüber das Evangelische Krankenhaus und verringerte den Friedhof im Zuge dessen auf etwa die Hälfte seiner Größe.
Dennoch hat er sich sein verwunschenes Flair bewahrt, das den geneigten Melancholiker zu einem stillen Besuch einlädt. Auf den zahlreichen liegenden Grabplatten lassen sich Familienwappen, Lebensdaten und Berufsbezeichnungen aus dem 16. bis 18. Jahrhundert entdecken, dazu viele allegorische Darstellungen des Todes.
Ehrenamtliche Helfer halten den Geusenfriedhof in Schuss, sodass er gut begehbar ist.

Anfahrt

Ihr erreicht den Geusenfriedhof am besten mit der Straßenbahnlinie 9, Haltestelle Weyertal, oder der Buslinie 130, Haltestelle Universität.

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6 Kommentare

  1. Tanja

    Diesen Friedhof kannte ich bisher noch gar nicht, aber den werde ich wohl mal aufsuchen, sobald die winterlichen Temperaturen nachlassen :) Deiner Beschreibung nach klingt es so, als wäre er einen Besuch wer!

  2. Insidonna (41)

    Hallo, ja, der Geusenfriedhof ist sehr schön, aber noch schöner ist der Melatenfriedhof (kurz “Melaten”) an der Aachener Str. in Köln. Zu erreichen vom Neumarkt aus mit der Bahnlinie 1 Richtung Weiden; die Station wo man aussteigen muß heißt sogar “Melaten”. Melaten ist sehr groß und es gibt viel zu entdecken; deshalb viel Zeit mitbringen und evtl. vorher einen Plan oder so besorgen. Schwarze Grüße aus Köln, Insidonna (41).

  3. neontrauma

    Danke für deinen Vorschlag @ Insidonna; den Melatenfriedhof wollte ich in nächster Zeit auch mal in einem Artikel vorstellen. Im Herbst habe ich dort sehr schöne Fotos gemacht… :-)

  4. Chris

    Der Geusenfriedhof ist wirklich sehenswert! Ich war im letzten Monat in Köln, und meine Freundinn und ich sind zufällig auf diesen uhrigen Friedhof gestoßen.
    Gutes liegt nicht immer fern, und für alle Melancholiker ist es genau der richtige Ort um in “Stimmung” zu kommen ;-)
    Da spürt man noch den Geist der Vergangenheit.

    MFG , Chris

  5. Robert

    Vielen Dank für den schönen Tip. Köln ist ja nicht wirklich weit weg (von mir) und deine Beschreibung zum Geusenfriedhof klingt wirklich sehr gut. Ich werde wohl aber erst besseres Wetter abwarten. Ein bisschen Sonne schadet nicht. (Oder eine anständige Dämmerung für das richtige Feeling ;)

  6. Insidonna (41)

    Ich bin ja viel unterwegs, deshalb habe ich noch einen neuen Tip, für alle die ein bißchen Kultur mögen und einen Faible für “Altes” haben: Zum einen gibt es Schnütgen-Museum in Köln, Nähe Neumarkt, das alte religiöse Gegenstände zu verschiedenen Themen und aus diversen Epochen zeigt. Wirklich sehenswert und z. Zt. ist der Eintritt wegen Umbaumaßnahmen ermäßigt, wenn nicht sogar frei! Noch sehenswert: Die Marksburg in Braubach bei Koblenz oder das Foltermuseum in Rüdesheim (Hessen) für alle Mittelalter-Fans bzw. Hartgesottene. Gruß aus Colonia, Insidonna. PS: Es wird Sommer; es ist heiß und die Sonne scheint den ganzen Tag – wie ätzend! ;-)

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