Long Distance Calling – eine Band, die man sich merken sollte…
Long Distance Calling – habe ich schon oft im Vorprogramm einiger namhafter Bands gesehen…Opeth, Katatonia und nicht zu letzt den Deftones… aber wer sind die Jungs, die mit ihrer instrumentalen Musik die Hauptbands beinahe alt aussehen lassen?
Nun, hier erstmal die Eckdaten…
Die Band wurde 2006 gegründet und ihre Musik wird als Postrock bezeichnet.
Bandmitglieder sind:
David Jordan – Gitarre
Janosch Rathmer – Schlagzeug
Florian Füntmann – Gitarre
Jan Hoffmann – Bass
Reimut van Bonn - Ambience
Ihr aktuelles Album „Avoid the Light“ erschien 2009 in den Läden und ist ein absoluter Ohrenschmaus. Die Musik ist sehr atmosphärisch und entwickelt eine hervorragende Eigendynamik.
Der Hörer macht eine musikalische Reise durch ruhige,sanfte Melodien aber auch brachialen, ausdrucksstarken Gitarrenparts. Den Gesang vermisst man keineswegs. Die Musik ist abwechslungsreich und sehr ausgefeilt. Die Ideen der Jungs sind beeindruckend, die Musik spricht für sich. Das schaffen nicht viele Bands…
Ein absolutes Highlight ist natürlich der Track „The Nearing Grave“ , der kein geringerer als Jonas Renske ( Katatonia ) eingesungen hat. Einfach wunderbar!
So, nun genug mit den Eckdaten…fragen wir die Jungs mal selbst, wie es ihnen so ergeht und was sie noch alles vorhaben…
Blacklive: Erstmal lieben Dank, dass ihr euch die Zeit nehmt und die Fragen beantwortet! J Mal zu Anfang, woher kennt ihr euch eigentlich? Schließlich kommt ihr nicht aus der gleichen Region?
LDC: Unser Drummer Janosch und ich machen schon seit 2000 zusammen Musik. Wir beide waren bis Februar diesen Jahres bei Misery Speaks aktiv. Janosch kannte unseren Bassisten Jan von einem Praktikum, welches er mal absolviert hat. Reimut kommt, auch wenn er jetzt in Berlin lebt ursprünglich aus Münster. Von daher kannten wir ihn schon seit ein paar Jahren. Genauso verhält es sich mit Dave, welcher auch schon seit einigen Jahren in der Münsteraner Musikszene aktiv war. Wir haben uns zu Anfang einfach zum jammen getroffen um unserer gemeinsame Vorliebe für Bands wie z.B. Tool und Pink Floyd zu fröhnen, bzw. Musik zu machen, welche relativ frei von Genregrenzen ist, ohne dabei eine feste Band als Ziel vor Augen zu haben. Das ganze hat dann allerdings so gut funktioniert, dass wir ziemlich schnell ein paar fertige Songs am Start hatten und das ganze Projekt langsam ernst wurde.
Blacklive: Könnt ihr unseren Lesern erklären, wie ihr zu dieser Stilrichtung gekommen seid? Instrumental zu spielen ist zwar nicht selten, aber viele Bands entscheiden sich doch für einen Sänger. Warum ihr nicht?
LDC: Anfangs haben natürlich auch wir mit dem Gedanken gespielt mit einem Sänger zu arbeiten, haben uns auch dementsprechend auf die Suche begeben, da von uns fünf leider keiner über ein engelsgleiches Gesangsorgan verfügt. Um während der Sängersuche nicht untätig sein zu müssen, haben wir in der Zeit die Songs so weit instrumental ausgearbeitet, dass wir festgestellt haben, dass sie auch ohne Gesang funktionieren. Da wir nach einiger Zeit immer noch keinen geeigneten Kandidaten für die Position am Mikrofon gefunden hatten, haben wir einfach beschlossen es bei instrumentaler Musik zu belassen und ich denke ich kann für uns alle sprechen, dass es definitiv die richtige Entscheidung war.
Blacklive: Woher kommen eure tollen Ideen - lauft ihr herum und ZACK kommt euch eine Melodie in den Sinn? Oder wie geht das? J
LDC: Oft ist es tatsächlich so, dass wir an einem Song arbeiten, wo uns aber noch die entscheidende Schlüsselmelodie oder ein bestimmtes, kleines Element fehlt. Dann wird solange gejammt bis auf einmal jemand genau das spielt, wonach wir gesucht haben, oft aus einem Zufall oder einem Verspieler heraus. Durch solche „Unfälle“ entstehen manchmal die geilsten Sachen. Generell achten wir aber einfach darauf, die Songs zu etwas besonderem zu machen, dass eine bestimmte Stimmung transportiert wird, die den Hörer packt. Man merkt das selbst meistens ziemlich gut, ob das funktioniert oder nicht, schließlich sind wir auch nichts anderes als Musikfans.
Blacklive: Schreibt ihr alle zusammen an den Songs? Oder hat einer von euch das „Kommando“?
LDC: Generell läuft das so ab, dass wir uns gemeinsam im Proberaum treffen und mögliche Ideen zusammen ausprobieren bis alle überzeugt sind. Es kommt aber auch von Zeit zu Zeit vor, dass wir ohne Ideen in den Proberaum gehen und einfach anfangen zu spielen….dabei sind tatsächlich schon ziemlich geile Sachen entstanden. Da Reimut leider nicht immer mit uns proben kann entwickeln wir die Basis der Songs meist zu viert im Proberaum, nehmen diese dann auf und schicken sie ihm per Internet. Er teilt uns dann seine Meinung dazu mit und entwickelt seine Sounds bzw. Ideen zu Hause am Rechner, welche er uns dann ebenfalls zur Verfügung stellt, damit wir uns eine Meinung bilden können. Bisher hat diese Methode sehr gut funktioniert. Es ist aber auf jeden Fall so dass es bei uns keiner das Kommando über das Songwriting hat, auch wenn einer vielleicht mal mehr Ideen als ein anderer mit in den Proberaum bringt. Die finale Optimierung erfolgt gemeinsam von der ganzen Band.
Blacklive: Gibt es Bands, die euch beeinflussen und euch Inspirationen geben? Wenn ja, welche?
LDC: Ich empfinde solche Fragen immer als sehr schwer zu beantworten, da einen unterbewusst ja eigentlich alle Bands, die man hört oder gehört hat auf eine gewisse Art und Weise beeinflussen. Zumindest ist das bei mir der Fall. Wenn man viel Musik hört und damit beschäftigt, lernt man gleichzeitig auch sehr viel über Songwriting und den Einsatz von Instrumenten und Sounds. Aber wenn man ein paar bestimmte Bands, die unseren Sound beeinflusst haben herausfiltern will bzw. einen gemeinsamen Nenner bestimmen will, sind das sicherlich Bands wie die eben bereits erwähnten Tool und Pink Floyd, aber auch Porcupine Tree oder beispielsweise auch Katatonia.
Blacklive: Wie kam es zu der Zusammenarbeit mit Jonas Renkse?
LDC: Da wir auf der Suche nach einem Gastsänger für unser zweites Album waren und alle Katatonia Fans sind, lag es für uns fast schon auf der Hand Jonas zu fragen ob er Lust hat einen unserer Songs zu singen. Erfreulicherweise hat er sich als sehr unkompliziert erwiesen und ziemlich schnell zugesagt. Wir haben den Song dann auch erst nach seiner Zusage geschrieben und versucht ihn genau auf seine Stimme auszulegen. Wir haben den Song instrumental aufgenommen und ihn ihm geschickt. Jonas hat dann zu Hause in Schweden den Text geschrieben und diesen in einem Studio eingesungen. Als wir das fertige Ergebnis gehört haben, waren wir alle schlagartig begeistert.
Blacklive: Wo war euer erster Auftritt? Gibt es bei euch sowas wie Lampenfieber?
LDC: Unser erster Auftritt war in unserer Heimatstadt Münster mit der damaligen Band von Dave. Natürlich waren wir dementsprechend aufgeregt, weil wir nicht abschätzen konnten, wie das Publikum auf eine rein instrumentale Band mit sehr langen, ausladenden Songs reagieren würde. Die Publikumsreaktionen waren sehr gut und dementsprechend beruhigt waren wir..haha. Ich denke das ein gewisses Lampenfieber vor einer Show wichtig ist, um sich auf das wesentliche zu konzentrieren und sein bestes auf der Bühne zu geben. Speziell bei der Art von Musik, die wir machen ist es wichtig, das wir es schaffen eine bestimmte Atmosphäre zu kreieren und das Publikum auch ohne Gesang in unseren Bann zu ziehen.
Blacklive: Welcher Auftritt war für euch ein absolutes Highlight?
LDC: Ich kann da natürlich nur für mich sprechen, aber ich fand unsere Show bei Rock am Ring sehr geil. Zum einen besonders, weil es eine große Ehre ist auf einem so großen Festival zu spielen und zum anderen, weil eine Band wie wir dort nicht unbedingt üblich ist und wir trotzdem sehr gut angekommen sind. Des weiteren war unsere erste Headlinertour ein kleines Highlight, weil dort zum ersten mal Leute speziell wegen uns gekommen sind. Aber auch die Europatour mit Katatonia und Swallow the sun war tierisch geil, denn dort konnten wir endlich in Ländern spielen, in welchen wir bisher noch nicht waren. Was für mich persönlich auch ein Highlight ist, ist der Fakt das wir bisher schon einige Gelegenheiten hatten, Bands zu supporten, die ich selber im Plattenschrank stehen habe, wie zum Beispiel Opeth oder die Deftones.
Blacklive: Welche weiteren Ziele / Pläne habt ihr?
LDC: Das nächste Ziel ist definitiv die neue Platte, welche wir momentan schreiben und im September aufnehmen werden. Danach heißt es natürlich wieder so viele Shows wie möglich spielen und die Platte zu promoten und natürlich in Länder vorzudringen in denen wir noch keine Konzerte gespielt haben. Unfassbar reich zu werden wär natürlich auch ganz angenehm..haha.
Blacklive: Wir wünschen euch weiterhin viel Erfolg mit eurer Musik – wir warten gespannt aufs neue Album… J
Weitere Infos zur Band findet ihr hier:
http://www.myspace.com/longdistancecalling



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