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geschrieben von neontrauma am 6. Februar 2010

Emilie Autumn @ Gebäude 9 / Köln, 1.2.2010

Emilie Autumn @ Köln, 1.2.2010

Ein Konzertbericht, der aus nichts als einem einzigen, mehrfach wiederholten Buchstaben besteht, kann eigentlich nicht allzu aussagekräftig sein. Nichtsdestotrotz würde genau das die Show von Emilie Autumn am 1. Februar 2010 im Kölner Gebäude 9 verdammt gut wiedergeben:

*rrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrr*

:)

Vor der Bühne drängten sich ziemlich viele süß gestylte Mädchen mit Glitzer, Herzchen und kleinen Kronen im Haar, die den Altersdurchschnitt der Anwesenden vermutlich deutlich nach unten gesenkt haben dürften. Und ich habe selten ein Konzert erlebt, bei dem das Erscheinen des Künstlers mit so viel hibbeligen “Oooohhhs!!!” und aufgeregtem Gekicher herbeigesehnt wurde…

Die mit viel Liebe zum Detail dekorierte Bühne sorgte bereits im Vorfeld des Auftritts für neugierige Spekulationen: um einen großen, ovalen Rahmen herum drapierte Totenköpfe und Ratten in allerlei Variationen, gestreifte Stoffbahnen, ein Teeservice, zahlreiche Kerzenständer, und derlei mehr -  bezaubernd kitschig.

Emilie Autumn @ Köln, 1.2.2010

Um kurz nach neun war es denn soweit, dass Emilie Autumn und ihre Gespielinnen, die Bloody Crumpets, die Bühne betraten und die Anwesenden für die folgenden zweieinhalb Stunden in die erotisch-phantastische Parallelwelt des Asylums entführten. Zwischen den einzelnen Songs sorgten diverse Spielszenen rund um das Geschehen im Asylum sowie Emilies sympatische Moderation für ordentlich Interaktion mit dem Publikum. Ob es nun um die Aufnahme in Victoria’s Kissing Army ging oder um das bekannte Rat Game, die Küsschen waren zahlreich und die Stimmung bestens.

Los ging es mit 4 o’Clock, auf das weitere Klassiker wie Opheliac, I want my Innocence back oder Dead is the new Alive folgten. Ein unerwartetes Highlight stellte für mich das Queen-Cover der Bohemian Rhapsody dar.

Ich weiß nicht, wie viele Koffer allein für die Kostüme in den Tourbus gequetscht werden mussten, aber die Mädels wechselten im Laufe des Abend doch so etliche Male ihr Outfit (und ließen gegen Ende der Show denn auch so einige Hüllen fallen, sehr zur Freude des Publikums :) ). Auch an Requisitien wurde nicht gespart: zusätzlich zu der ohnehin schon opulenten Bühnendekoration gesellten sich diverse Peitschen, Schirmchen, Gehstöcke im Stil von Zuckerwerk, auch ein Rollstuhl und einiges Spielzeug mehr kamen zum Einsatz. Auch Suffer, der Bär, durfte natürlich nicht fehlen.

Somit war das Ganze eigentlich mehr Show als Konzert, wobei die ausgefallene und kurzweilige Darbietung über die stellenweise nicht ganz so perfekte Gesangsdarbietung gnädig hinwegsehen ließ. Das Publikum, das sich übrigens so vor der Bühne drängte, dass der hintere Bereich der Halle eher leer blieb, zeigte sich begeistert vom Kokettieren mit Psychiatrie und Wahnsinn und wusste die einzelnen Songs textsicher mitzusingen. Emilies Victoriandustrial, wie sie ihren Stil bezeichnet, ist sicher nicht jedermans Fall, was sich insbesondere während Emilies Violin-Solo Face the Wall an den verzogenen Gesichtern einiger Herren in den hinteren Reihen ablesen ließ, aber ich fand’s toll. :)

Wer allerdings keine Flecken auf seinem Outfit riskieren möchte, dem sei die erste Reihe nicht unbedingt empfohlen. Denn Wayward Victorian Girls haben nicht immer Tischsitten, wenn es um das Essen In-den Mund-Stopfen von Muffins und Tee geht, die dann schon mal in hohem Bogen ins Publikum gespien werden.

Nach der Show bot sich noch ausreichend Gelegenheit, sich am Merch-Stand das ein oder andere Shirt, Schmuckstück oder auch das neu erschiene Buch zu sichern, um sich ein Stück vom Asylum mit nach Hause zu nehmen.


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